Ein Gespräch mit dem Dramaturgen Bernd Stegemann über die soziale Frage sowie den Unterschied zwischen Politischem und Politik

Tagesspiegel 16.10.2018 : Interview mit Bernd Stegemann, geboren 1967 in Münster, Professor an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ und Dramaturg am Berliner Ensemble. Zuvor war er am Deutschen Theater Berlin und an der Schaubühne tätig. Seit August ist er auch engiert in der linken Sammlungsbewegung #Aufstehen. 2015 veröffentlichte er das Buch „Lob des Realismus“, 2017 „Das Gespenst des Populismus. Ein Essay zur politischen Dramaturgie“.



Jugendamt-Willkür um einen Jungen  - Panorama 3 - 17.04.2018

Drama: Jugendamt-Willkür um einen Jungen  (von Mareike Fuchs und Christoph Lütgert) in der Mediathek unter diesem LINK. Eine Mutter kämpft um das Sorgerecht für ihren 13-jährigen Sohn. Das Jugendamt meint, er sei im Heim besser aufgehoben. Doch in dem Verfahren reiht sich Fehler an Fehler.

 

Die Senatsantwort auf eine Anfrage der Linken in der Hamburger Bürgerschaft hat Erschreckendes zutage gefördert. Kinderrechte werden immer öfter missachtet. Besonders wenn Kinder auswärts in Heimen untergebracht sind, und das sind über 1700 junge Menschen, kommt es viel zu häufig (375) zu länger andauernden Kontaktverboten gegenüber emotional Nahestehenden. Die gesetzlich vorgeschriebenen Überprüfungspflichten des Jugendamtes gegenüber den auswärtigen Einrichtungen werden zudem grob vernachlässigt; Kinder würden in "eine Black-Box" verschoben, wie das Hamburger Abendblatt Sabine Böddinghaus (Die Linke) zitierend, vom 8.12.2017 berichtet.

 

Die TAZ vom 8.12.2017 beschreibt ausführlich einen exemplarischen Fall, in dem ein Kind von der Mutter mithilfe einer vom Jugendamt veranlassten familiengerichtlichen Entscheidung getrennt wurde, hunderte Kilometer entfernt untergebracht wurde und dann jahrelang mit einem fragwürdigen Kontaktverbot belegt wurde, obwohl das Kind seinen Kontaktwunsch immer wieder deutlich zum Ausdruck gebracht hat. Die Befürworter*innen eine Null-Kontakt Entscheidung argumentieren dabei mit einer dem Kind schadenden "symbiotischen Beziehung". Der Anwalt kritisiert das: „Das Jugendamt erklärt die schiere Existenz der Mutter zum Problem.“  Der Kindeswille wird über Jahre komplett ignoriert.


Die Tory-Regierung in England tötet ihre eigenen Bürger. Die Überflüssigen, die Mittellosen, die chronisch Arbeitslosen, die Kranken und die Alten.

Die Behauptung, der Staat sei die unmittelbare Ursache für den Tod der eigenen Bürger, ist keine Kleinigkeit. Bis vor kurzem war es noch ein ungeschriebenes Verbot, dem Staat dies vorzuwerfen. Dennoch hat es Aditya Chakrabortty vom Guardian im nationalen Fernsehen getan.

Bis vor wenigen Tagen hätte es ... gar als hysterisch gegolten, hätte man von Sozialmord gesprochen. Es hätte für eine weitere Diskussion disqualifiziert. Und jetzt schreibt der Independent genau dies. Und die Zeitung hat gute Gründe.

Derzeit betrifft Obdachlosigkeit in Großbritannien 307.000 Menschen (ein sagenhafter Anstieg von 134% seit 2010). Doch diese offiziellen Regierungsdaten dürften nicht alle Obdachlosen erfassen. Menschen, die in „versteckter Obdachlosigkeit“ gefangen sind, die also kein Zuhause haben, aber nicht als Obdachlose registriert sind und „Couch-Surfing“ betreiben, fehlen in der Statistik.

Einen Anstieg gibt es auch bei der Nahrungsmittelarmut um 13% auf 587.000; bei der Inanspruchnahme der Tafel um mehr als 500%; die Kinderarmut soll bis 2022 37% erreicht haben; der Brennstoffmangel ist um 11% gestiegen und wird in diesem Winter 2,5 Millionen Menschen treffen – es besteht kein Zweifel daran, dass Tausende hauptsächlich älterer Menschen im kommenden Winter sterben werden.

Quelle: https://makroskop.eu/2017/11/die-toten-waehlen-nicht/


Schwarz-Grün (Hessen) verlieh die Wilhelm Leuschner Medaille ausgerechnet an Roland Koch - der DGB und viele andere protestierten - es werde damit die Ehre und Würde des von den Nazis ermordeten Wilhelm Leuschner verletzt.

Orwellsche Inszenierung von Volker Bouffier (CDU) und Tarek Al Wazir (Grüne)

 

Die Gewerkschaften im Deutschen Gewerkschaftsbund Hessen-Thüringen haben einen Offenen Brief geschrieben in dem sie ihre Empörung ausdrücken über diese Unverfrorenheit. Protestaktionen am Verleihungstag (am 1. Dezember 2017) sind in Planung.  "Wilhelm Leuschner wurde, wie viele andere Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, im Zuge der Zerschlagung der Gewerkschaften am 2. Mai 1933 von den Nationalsozialisten erstmals verhaftet. Nach seiner Entlassung engagierte er sich im Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur. Im Zusammenhang mit dem Attentat des 20. Juli 1944 wurde er erneut verhaftet und am 29. September 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet."

 

Roland Kochs Name dagegen erinnert uns an die Zerschlagung der Tarifgemeinschaft der Länder, an ein beispielloses Sozialabbau-Programm und an seine schmutzige rassistische Unterschriftenkampagne im Landtagswahlkampf 1999.

 

"Roland Kochs Name ist ... untrennbar mit einer beispiellosen Politik des sozialen Kahlschlags und der sozialen Ungerechtigkeit in Hessen verbunden. Mit der zynisch als „Operation sichere Zukunft“ bezeichneten Politik ließ er vielen Einrichtungen, die sich um benachteiligte Menschen kümmern und ihnen in Notlagen helfen, die Landeszuschüsse streichen oder erheblich kürzen. 

Nicht zuletzt war Roland Koch auch derjenige, der maßgeblich die Zerschlagung des einheitlichen Tarifrechts des Öffentlichen Dienstes der Länder betrieb. Den Beamtinnen und Beamten des Landes Hessen wurde mit 42 Stunden die längste Wochenarbeitszeit der neueren Geschichte der Bundesrepublik aufgebürdet, ihre Bezüge erheblich gekürzt." Er verdiene diese Medaille auf keinen Fall.

 

"Entsprechend [Wilhlem Leuschners] Biographie zählen unter anderem Ignatz Bubis, Otto Brenner, Robert Kempner, Eugen Kogon und Martin Niemöller zu denen, denen die Medaille in der Vergangenheit überreicht wurde. Sie und viele andere stehen für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, für seine Aufarbeitung und für den Wiederaufbau einer lebendigen Demokratie nach 1945."


Wirtschaft kapert Schule im schwarz-grün regierten Baden-Württemberg

Rubikon 22.09.2017  Wirtschaftsverbände und wirtschaftsnahe Stiftungen haben jahrelang Kampagnen lanciert und in Lobbying investiert, jetzt ernten sie die Früchte. Denn das Schulfach „Wirtschaft“ [in BW] ist ein Projekt im Interesse der "Unternehmer". Damit haben sie einen weiteren Ankerplatz für ihr ökonomistisches Weltbild in Millionen Kinderköpfen. Mit Sorge sehen das Gewerkschafter und Sozialwissenschaftler. Reinhold Hedtke, Didaktikprofessor an der Universität Bielefeld, lässt im Interview mit dem Rubikon kein gutes Haar an der Reform. Für ihn ist das Angebot apolitisch und gedacht als „Bollwerk gegen Kritik, Pluralismus und Alternativen“.... "Schauen wir uns die zugehörigen Lehrpläne an. Dort wird die Unternehmerpersönlichkeit gepriesen, Beschäftigte haben dort keine Persönlichkeit. Nachhaltigkeit ist darin Aufgabe allein der Verbraucher, nicht der Industrie und nicht der Politik. Ökonomische und politische Machtverhältnisse spielen auch keine Rolle. Mächtig sind nur die Konsumenten, ansonsten erscheint die Wirtschaft als eine machtfreie Zone: keine Konzerne, keine Global Player, keine Marktmacht, keine Konvertierung wirtschaftlicher in politische Macht und Lobbyismus gibt es auch nicht. Gewerkschaften braucht man für den sozialen Frieden, nicht für Verteilung und Gerechtigkeit. Kurzum, die Leitlinie lautet Individualisierung, Verharmlosung und Entpolitisierung."


Für eine gleichwürdige Arbeitsbeziehung in der Arbeit mit Familien - Schluss mit der Bevormundung in der Kinder- und Jugendhilfe

In diesem ZEIT-Artikel vom 13.05.2017 schildert eine Familienhelferin/Familientherapeutin, warum "nicht Bevormundung, sondern nur eine gleichwürdige therapeutische Beziehung Veränderung ermöglicht." Wer das in der Arbeit mit oftmals "unfreiwilligen", vom Jugendamt mit Auflagen versehenen Familien, nicht beherzigt, landet in einem Teufelskreis aus Abwertung der Adressaten*innen und dem eigenen Burn-Out also Folge ständiger innerer Verdrängung "negativer" Gefühle. Menschen/Eltern sind nicht "instruierbar", Veränderung passiert immer aus eigenen Antrieb und dafür müssen FamilienhelferInnen Vorbild sein, ehrlich mit sich selbst und gegenüber ihren Adressaten*innen sein.


Anteil der armen Kinder hat sich "verdoppelt" - Butterwegge 2017

"... Da wird behauptet vom Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit, dass es heute 800.000 Arbeitslose mehr gäbe, wenn es Hartz IV nicht gäbe. Ich glaube, viel eher beweisen zu können, dass sich die Zahl der armen Kinder verdoppelt hat, seitdem am 1. Januar 2005 Hartz IV eingeführt wurde. Weil, es gab am 31. Dezember 2004 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche in der Sozialhilfe. Und es gibt heute fast zwei Millionen Kinder und Jugendliche in Hartz IV. Das heißt, die Zahl der von Armut Betroffenen hat sich seitdem erhöht, obwohl es weniger Kinder und Jugendliche heute aufgrund des demografischen Wandels gibt als damals. Das zeigt doch, dass diese Reformen für mehr Armut gesorgt haben. Das zu beweisen, ist leichter als den Rückgang der Arbeitslosigkeit darauf zurückzuführen.... (Auszug aus: Deutschlandradio Kultur 11.03.2017 Interview mit Christoph Butterwegge)


Armut in Deutschland. Unabwendbar oder politisch gewollt ?

ver.di-Frauen aus Mittelfranken haben angesichts steigender Alters-, Frauen- und Kinderarmut in Deutschland eine sehr gute Broschüre (mit vielen Quellen- und Literaturangaben) erstellt (hier Download) mit dem Titel: "Armut in Deutschland. Unabwendbar oder politisch gewollt?"

 

Sie schreiben (Auszüge) : "Dass Armut politisch gewollt ist, kann mit vielen Beispielen belegt werden. ... Deutschland ist das 5.-reichste Land der Welt. Aber 20,0 Prozent der Bevölkerung in Deutschland – das sind 16,1 Millionen Menschen – waren im Jahr 2015 von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht" ...

 

"Das Ziel der Rentenreform war nicht das vorgeschobene Demografie-Problem, sondern die Zerschlagung der Gesetzlichen Rentenversicherung."... "Bereits unter der Regierung Kohl hatten sich die Lobbyisten aus der Banken- und Versicherungsbranche für eine Privatisierung der Rente stark gemacht — Lobbyisten im Parlament, in den Ministerialbüros und Minister in den Aufsichtsräten der Versicherungswirtschaft. Wirtschaftsnahe Wissenschaftler begleiteten den Reformprozess. Es ging nicht um eine ausreichende Rente für die Beschäftigten, sondern um die Gewinnmaximierung der Banken und Versicherungen. Das Ergebnis sehen wir heute. Die Altersarmut breitet sich im ganzen Land aus."

 

"Mit der Agenda 2010 begann die Reform des deutschen Sozialsystems und des Arbeitsmarktes, das von der Rot/Grünen Regierung weitgehend umgesetzt wurde.
Hintergrund war ein Sondergipfel der EU in Lissabon, den europäischen Wirtschaftsraum zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. Ziel war, die Rahmenbedingungen für mehr Wachstum und Beschäftigung zu verbessern und den Sozialstaat umzubauen, was mit den Worten „Wir werden Leistungen des Staates kürzen“ angekündigt wurde. ... Das Reformkonzept wurde maßgeblich von der Bertelsmann Stiftung geprägt unter dem Titel: „Wirtschaftspolitischer Forderungskatalog für die ersten hundert Tage der Regierung“. Viele der Forderungen fanden Eingang in Schröders Agenda 2010 und schlugen sich im Arbeitslosengeld II
(ALG II) nieder. Die betrieblichen Lohnnebenkosten wurden zulasten der Sozialabgaben der Mitarbeiter gesenkt. Sie sollen mittelfristig ganz auf die Arbeitnehmer übergehen. Der Kündigungsschutz wurde gelockert, die Löhne sollten um 15 Prozent abgesenkt werden, Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe wurden abgeschafft, Hartz IV eingeführt und die Zumutbarkeit für die Arbeitsaufnahme bei Arbeitslosigkeit neu definiert."

 

"Gesundheitsreform. ...[In der] Krankenversicherung wurden...viele Leistungen ... aus dem Katalog
der Gesetzlichen Krankenversicherung gestrichen. Zahnersatz, Krankengeld und Zuzahlungen von Medikamenten mit einem Selbstkostenanteil von zwei Prozent des Bruttojahresgehaltes waren die Eckpunkte der Gesundheitsreform. Zahnersatz und Krankengeld wurden aus der Parität herausgenommen zulasten der Versicherten."

 

"Energie-Armut: Armut, über die keiner spricht. 2015 wurden in 6,3 Millionen Fällen Stromsperrungen angedroht und in 331.000 umgesetzt. 2014 wurde 352.000 Haushalten der Strom abgestellt. Was das für die Menschen bedeutet, kann man sich kaum vorstellen: kein warmes Essen, kein warmes Wasser zum Duschen und Abspülen, kein Kühlschrank, keine Gefriertruhe, keine Waschmaschine, kein Radio, kein TV, keine Lebensqualität mehr. Betroffen sind alle, deren Einkommen nicht mehr zum Leben reicht, Hartz IV-Empfänger und Menschen mit niedrigem Einkommen. Betroffen sind besonders Kinder, Jugendliche, Alte und Kranke: Schutzbedürftige. Wer zehn Prozent und mehr seines Einkommens für Heizung und Strom ausgeben muss, der gilt als „energiearm“. Darunter fallen vor allem Empfänger von staatlichen Sozialleistungen, sagt Professor Andreas Löschel und fügt hinzu: „Wir haben herausgefunden bei unseren Untersuchungen, dass ein gewisser Teil der energiearmen Haushalte eben nicht Sozialleistungen bezieht, das heißt, das sind Niedrigeinkommensbezieher, die aber jetzt eben einen großen Anteil ihres Einkommens für Energiedienstleistungen aufwenden. Das ist eine große Gruppe, das ist fast die Hälfte der Energiearmen.“ Michael Kopatz, Autor des Buchs „Energiewende. Aber fair!“ sagt: „Der Hartz-IV-Satz ist einfach nicht so schnell angestiegen wie die Stromkosten. Das lässt sich eindeutig belegen und da ist mittlerweile ein ziemlich großes Delta. ... Wenn Hartz-IV ein paar Euro angehoben wird, dann macht das ja gleich Milliardenbeträge aus. Aber, das wäre notwendig.“

 

"Arme Kinder in einem reichen Land. Kein eigenes Zimmer, kein Taschengeld, keine Fußballschuhe, aus [der Stadt] noch nie herausgekommen und vor dem Monatsende ist der Kühlschrank leer. Deutschland ist ein reiches Land – doch die Zahl der Kinder wächst, für die so ein Leben Alltag ist.... Betrachtet man die Struktur von Familien im SGB-II-Bezug, einer Hauptgruppe der von Armut betroffenen Familien, so sind Alleinerziehende-Familien und Paar-Familien mit drei und mehr Kindern besonders stark von Armut betroffen: Fast die Hälfte aller armen Kinder in Paar-Familien haben mindestens zwei Geschwister. Kinder sind in unserer Gesellschaft mehr von Armut betroffen als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Sie sind Betroffene von Armut und werden oft auch als Ursache für Armut genannt. Dies darf in einer reichen Gesellschaft wie Deutschland nicht länger hingenommen werden.
Arme Kinder haben arme Eltern. Kinderarmut ist in den allermeisten Fällen eine Folge von fehlendem oder zu geringem Erwerbseinkommen der Eltern, wobei Langzeitarbeitslosigkeit und Erwerbstätigkeit im Niedriglohnbereich sich als Ursache die Waage halten. Arme Kinder leben in einkommensarmen Familien und somit in Familien, die keine ausreichende Versorgung im materiellen, kulturellen, gesundheitlichen und sozialen Bereich sicherstellen können. Ihre Entwicklungschancen und Zukunftsperspektiven sind eingeschränkt.

 

Kinderarmut ist also mehr als materielle Armut. Armut als Risikofaktor kindlicher Entwicklung.
Bereits im Alter von sechs Jahren sind arme Kinder erkennbar belastet. Kindliche Frühförderung hat seltener stattgefunden, da mit Kosten verbunden (Fahrtkosten); an kostenpflichtigen Kita-Aktivitäten konnten die Kinder nicht teilnehmen. Betroffene Kinder kommen hungrig in die Einrichtung und zeigen Auffälligkeiten im Spiel- und Sprachverhalten. Häufiger als nicht-arme Kinder besuchen sie Förderschulen bzw. erhalten nach der Grundschule keine Empfehlung für den Besuch einer weiterführenden Schule. Im Laufe des Schullebens nehmen sie weniger an Bildungs- und Freizeitangeboten außerhalb der Schule oder an Vereinsaktivitäten teil. In Bezug auf den Schulerfolg gilt Armut als größtes Risiko, so dass die begonnenen Prozesse sich im Jugendalter fortsetzen und häufig zum Schulabbruch, zu fehlender beruflicher Orientierung und geringer Ausbildungsmotivation führen. Arbeitslosigkeit bereits in jungen Jahren ist dann der nächste fehlgeleitete Entwicklungsschritt."

 

Quelle: ver.di Broschüre mit vielen Quellen- und Literaturangaben (hier Download) mit dem Titel: "Armut in Deutschland. Unabwendbar oder politisch gewollt?" Siehe auch die Statistiken in dieser WEB-Seite.


Ehrenamt statt Sozialstaat? Kritik der Engagementpolitik - Claudia Pinl

Auszug: "Großstädte müssen sich seit Längerem der Herausforderung stellen, dass bis zu einem Viertel ihrer Bewohnerschaft aus armen Menschen besteht, Alleinerziehenden, Erwerbslosen, Migranten, Menschen mit Suchtproblemen. Mit Konzepten wie Quartiersmanagement und Sozialraumorientierung versuchen die Städte, die Lebensqualität in sozial benachteiligten Vierteln zu verbessern. Hauptamtliche Sozialraumkoordinatoren und -koordinatorinnen leisten der Bewohnerschaft Hilfe zur Selbsthilfe, etwa um ein Mieternetzwerk aufzubauen, Jugendzentren zu betreiben oder Deutschkurse für Mütter mit Migrationshintergrund zu organisieren. Die Bewohnerschaft bei der ehrenamtlich zu leistenden Selbsthilfe zu unterstützen, ist ein wichtiger Baustein in dem Bemühen, das Lebensumfeld in den Quartieren und das Selbstbewusstsein der Bewohnerinnen und Bewohner zu verbessern, kann aber auf Dauer kein Ersatz sein für fehlende existenzsichernde Erwerbsarbeit, bezahlbaren Wohnraum und bessere Bildungsangebote, kurz: für politische Lösungen der sozialen Problematik."

 

Link zu dem vollständigen, von der BPB im März 2015 online gestellten Artikels.


Arbeit. Armut. Würde.  Für eine Zukunft ohne Zumutungen!   Erklärung

Auszüge: Etwa 1,2 Millionen Menschen in Niedersachsen haben heute ein Einkommen
unterhalb der Armutsschwelle. ... Dieser Zustand ist ein gesellschaftlicher Skandal. Er darf nicht andauern. Aktuell erhält jedoch die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich durch die
Flüchtlingssituation zusätzliche Brisanz....

Erschreckend ist die Lage der Arbeitslosen. Ihre Armutsgefährdung stieg von 50auf 58 Prozent, mehr als jeder zweite Arbeitslose lebt also in Armut. Niedersachsen braucht daher einen öffentlichen Beschäftigungssektor („sozialer Arbeitsmarkt“) für Langzeitarbeitslose mit fairen Bedingungen.
Langzeitarbeitslose sollten bei Kommunen und Wohlfahrtsverbänden auf freiwilliger Basis zu regulären, tariflichen Bedingungen beschäftigt werden....

Der Mindestlohn muss perspektivisch so gestaltet werden, dass er nicht in die Altersarmut führt. Um die Armutsgefährdung zu senken, muss die Politik aber auch den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen stoppen. Außerdem brauchen wir dringend eine größere Tarifbindung der Unternehmen. Tarifverträge sind ein Schlüssel für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen auch für Geringqualifizierte....

Es fehlt in vielen Regionen an gutem und bezahlbarem Wohnraum für alle Menschen in Niedersachsen. Der soziale Wohnungsbau muss entgegen dem Trend der letzten Jahre wieder deutlich ausgeweitet werden, um eine flächendeckende Wohnungsnot zu verhindern. Hier muss das Land auch direkt als Bauträger aktiv werden, wie das in Österreich der Fall ist. Dort setzt man die staatlichen Zuschüsse direkt zur Baufinanzierung ein, verzichtet auf teure Bankkredite und stellt die Projekte unter Gemeinnützigkeit....

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, zusätzliche Mittel einzusetzen, um Armut zu vermindern und mehr Menschen in die Gesellschaft zu integrieren.

 

Die Unterzeichner: Landesarmutskonferenz LAK Niedersachsen + Caritas in Niedersachsen, DGB Niedersachsen + Diakonie in Niedersachsen + GEW Hannover, SoVD Niedersachsen + ver.di Niedersachsen-Bremen, Hannover, 17. November 2015

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Erklärung "Armut, Arbeit, Würde" in ganzer Länge
Armut Arbeit Würde Erklärung Nov2015_Nie
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Für ein besseres Entgeltsystem in der Psychiatrie

Forderungen:

  • ein Entgeltsystem, in dem die PatientInnen und deren nachhaltige Gesundung im Mittelpunkt stehen und
  • nicht die Sparpolitik der Krankenkassen
  • nicht grundsätzliche Kostensenkung.

http://www.weg-mit-pepp.de/neuigkeiten/stellungnahme-von-pandora-e-v-gegen-die-einfuhrung-des-pepp-29-april-2014

 

PEPP (Pauschalisierendes Entgeltsystem Psychiatrie und Psychosomatik)


945 Jugendarreste wegen Schulverweigerung in Niedersachsen 2014

Eine äußerst alarmierende Zunahme der Lust am Strafen (Punitivität) kaschiert als "Pädagogik", denn lernwillig werden Kinder dadurch nicht, dass sie im Knast sitzen. Der Weserkurier vom 26.5.2015 berichtet: „20 bis 25 Prozent der 2014 vollstreckten Jugendarreste in Niedersachsen gehen auf Schuleschwänzen zurück“, so Alexander Wiemerslage, Sprecher der niedersächsischen SPD-Justizministerin, Antje Niewisch-Lennartz. 2014 sind das 945 Jugendarreste wegen Schulverweigerung.

Neugierigen und lernbegeisterten kleinen Kindern wird die Lust am Lernen in diesem Beschulungssystem systematisch ausgetrieben, in dem die Zurichtung auf den Arbeitsmarkt schon im 2. Lebensjahr zu beginnen scheint. Ursachen für "Lernunwilligkeit" (?) von Schulmeidern*innen in den gesellschaftlichen Verhältnissen, in den Zurichtungsmechanismen als "Humankapital", bzw. "Humanressource", in den auf Ware und Kunde reduzierten "Märkten" zu suchen, scheint in der aktuellen Pressekampagne (u.a. WK) keinen Platz zu haben. Eher dass das "familiäre Umfeld" Schuld sei.

Stattdesssen bekommt der BDA-Chef Kramer eine ganze Seite im Weserkurier am 20.7.2015, um über die gegenüber Hamburg angeblich weniger "leistungsorientierte" Bremer Schulpolitik herum zu schwadronieren. Ob ihm die 33% Kinderarmutsquote in Bremen schon mal zu Ohr kamen ? War er schon mal in Gröpelingen ? Wer ist wirklich verantwortlich für diese Verhältnisse ?


Pegida - Mehr Laizismus wagen !

Muslime wollen Gleichstellung, die christlichen Kirchen ihre Privilegien behalten. Die säkulare Mehrheit sollte jetzt für einen neuen Laizismus auf die Straße gehen.

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-01/laizismus-pegida-religioese-gleichberechtigung

"Die Aussage, der islamische Terror missbrauche die Religion, sei zu kurz gedacht und verschweige etwas, findet Peter Meier-Hüsing. In seinem Radio Bremen Kommentar erklärt er, dass solange mit jahrhundertealten, religiösen Texten Realpolitik gemacht wird, die säkularen Werte der Aufklärung einen schweren Stand haben – bei Christen, Muslimen und Juden."..."Denn natürlich ist die Geschichte des Islam auch eine gewalttätige, eine blutige. Genau wie die des Christentums. Es ist noch nicht so lange her, dass im Namen des Kreuzes Ketzer, Heiden, Hexen und Ungläubige massakriert und zwangsbeglückt wurden. Und welche Urstände christlicher Fundamentalismus auch heute noch feiert, kann man immer wieder in der amerikanischen Tagespolitik staunend zur Kenntnis nehmen, Stichwort "Keine Evolutionslehre im Schulunterricht."

http://www.radiobremen.de/nordwestradio/charliekommentar100.html


Untersuchungsausschuss Yagmur (Tod des Mädchens in Hamburg) Abschlussberichte

Dr. Neuffer, Professor für Soziale Arbeit an der HAW in Hamburg, sagt zu den "Ergebnissen" des Untersuchungsausschusses am 17.12.2014 : „Die Empfehlungen des PUA, soweit man sie fachlich vertreten kann, hätte ein Fachgremium an einem Nachmittag vorlegen können. Dazu benötigt man keinen 500seitigen Bericht und Befragungen. Der PUA hat kaum neue Erkenntnisse für den Kinderschutz in Hamburg gebracht.“

Der offizielle Abschlussbericht mit seinen 500 Seiten ist über die Hamburger Sozialbehörde beziehbar. Wir stellen hier Prof. Neuffers Stellungnahme und nachfolgend den sehr guten "Minderheitenbericht" der Linksfraktion im PUA Yagmur, der in der Öffentlichkeit verschwiegen wird,  zum Download bereit.
 

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Stellungnahme von Prof. Neuffer HAW Hamburg zum Abschlussbericht des PUA Yagmur.
Prof. Neuffer_PUA Yagmur - fachliche Ste
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Minderheitenbericht der Linken im PUA Yagmur in Hamburg 19.12.2014
Minderheitenbericht_PUA Yagmur_LINKE_ Ha
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Stufenvollzug - Geschlossene Unterbringung - Kampagne AKS-Gruppen

Aufruf zu bundesweiter Kampagne für die Verwirklichung der UN Kinderrechts-Konvention statt Überwachen und Erniedrigen in den Grauzonen der Hilfen zur Erziehung! link 

Manfred Kappeler zieht aus den Runden Tischen Heimerziehung in West und Ost folgendes Fazit: „Zuerst das Positive: der Kampf der ehemaligen Heimkinder und ihrer UnterstützerInnen hat sich gelohnt und lohnt sich immer noch, weil das jahrzehntelange Schweigen über die Gewalt, der Kinder und Jugendliche in der Heimerziehung ausgesetzt waren, gebrochen werden konnte…..

Nun das Negative: Die Jugendhilfe hat sich im Ganzen ihrer Vergangenheitsschuld nicht gestellt. Das bedeutet auch, dass die Chance, aus der kritischen Selbstreflexion der ‚dunklen Seite‘ ihrer Geschichte für die Gegenwart und für die Zukunft zu lernen, weitgehend nicht genutzt hat. Die in vielen Bundesländern wieder praktizierte ‚geschlossene Unterbringung‘ von wieder als ‚verwahrlost und schwersterziehbar‘ definierten Kindern und Jugendlichen ist ein Beispiel dafür“ (2013:30).

Dass aus Heimkarrieren unter den Vorgaben des KJHG/SGB VIII Maßnahmen-Karrieren geworden sind, ist bekannt. Bekannt ist auch, dass am Ende beider Karrieren die geschlossene Unterbringung stand und steht. Sah es in den achtziger Jahren so aus, als würde die die geschlossene Unterbringung insgesamt abgeschafft und sah das neue KJHG dieses Instrument ausdrücklich nicht  vor, so hat sich die Zahl der geschlossenen Unterbringungsplätze in den letzten 20 Jahren von ca. 125 auf knapp 400 mehr als verdreifacht. Nach der tendenziell positiven Evaluation dieser Einschließung im Namen des Kindeswohls durch das DJI und der erst vorsichtigen (11. KJB 2001:239f.) und dann entschiedenen Befürwortung geschlossener Unterbringung als Hilfe zur Erziehung (14. KJB 2013:349f.) ist mit einer weiteren Steigerung der Plätze sowie einer weiteren öffentlichen Akzeptanz dieser Ausschließung zu rechnen.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Stellungnahme von Prof. Neuffer (Hamburg) zu den Umsteuerungen im Kinderschutz_verdi
Kinderschutzaktionen+Tagung_29.4.2014_ve
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Kundgebung in Berlin für Fallzahlbegrenzung (28 pro Vollzeitstelle) und Höhergruppierung auf E 10 (TVL)

Land unter - S O S Jugendhilfe Berlin - Fahnen und Transparente

Am Dienstag, den 17.12.2013 um 10.00 wurden weiße Fahnen und Transparente aus den Fenstern der Berliner Jugendämter gehängt!       Demonstriert wurde am 13.12.2013.

Die Situation sowohl für die Mitarbeiter_innen, als auch für die betroffenen Kinder, Jugendlichen und Eltern ist zuweilen dramatisch. Zu den Öffnungszeiten im RSD findet man verschlossene Türen, dringende Gespräche und Entscheidungen müssen vertagt werden, von präventiver Arbeit kann schon lange keine Rede sein! Es fehlt hinten und vorne die Zeit um die wichtigsten Aufgaben erledigen zu können. Der Mangel an Personal und Zeit macht sich unmittelbar bemerkbar: Kinder und Jugendliche, die sowieso schon schwierigen Situationen/ Krisen/ Gewalt/ oder Missachtung erlebt haben, finden nicht die Beachtung, die Aufmerksamkeit und Hilfe, die sie so dringend brauchen! Gute Entscheidungen können nur gemeinsam - mit den Familien - besprochen und umgesetzt werden. Hauruck-Aktionen gehen zwar schnell (und müssen unter bestimmten Umständen z.B. bei Gefahr auch mal sein) aber sind nicht nachhaltig, wenn sie nicht erklärt, besprochen und abgestimmt werden können. Ein Vertrauensaufbau braucht Zeit für Gespräche, Klärung und einen ermutigenden Blick in die Zukunft. Diese Zeit fehlt - und so gibt es meist nur schnelle+"einfache", "preiswerte" Entscheidungen, die den Familien nicht weiter helfen - oder im nachhinein betrachtet sogar schaden. Die Berliner Jugendhilfe insgesamt befindet sich in einer Krise! link


Interessengemeinschaft offene Kinder- und Jugendarbeit Leipzig

Tolle WEB-Seite einer Intitiative für den Erhalt der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Leipzig, mit Teilerfolg in ihrem Kampf: http://protest-leipzig.de/


Am 19. März zum Internationalen Tag der Sozialen Arbeit demonstrierten viele Sozialarbeiter_innen in Berlin.


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Die Agenda 2010 – Begründung und Legitimationsbasis für eine unsoziale Politik
Eine Stellungnahme von Prof. Christoph Butterwege vom 13.3.13 aus traurigem 10-jährigem Anlass.
Butterwege_ Die Agenda 2010 _Begruendung
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Kommunalfinanzen

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Zur Lage der Kommunalfinanzen und ihre Auswirkungen auf die Sozial-, Kinder- und Jugendhilfe
In diesem Heft werden Zusammenhänge geschildert, sowie Daten und Fakten rund um die Jugendhilfe, insbesondere den Hilfen zur Erziehung gegeben.
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