Hamburger Behörde will "selbstgeschnitzte" Sozialarbeiter*innen an den Hochschulen ausbilden lassen - Professoren und Studierende wehren sich

TAZ 27.09.2017 : Senat plant einen „dienstherreneigenen“ Studiengang für Soziale Arbeit bei Behörden. Professoren und Praktiker sind dagegen. Besser wären mehr Studienplätze. Inzwischen liegen drei kritische Stellungnahmen vor. Außerdem kritisierte der emeritierte Professor der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Manfred Neuffer in der Jugendhilfe-Zeitschrift „Forum“, dass eine Spaltung in jene Sozialarbeiter drohe: Auf der einen Seite die, die beim Staat arbeiten, auf der anderen der Rest. Es könnten künftig in den Jugendämtern „nur noch die intellektuell geschulten Vertreter der offiziellen Linie“ arbeiten, sagt der HAW-Professor Knut Hinrichs. ...

 

Derweil verschickte Anfang der Woche ver.di eine Erklärung, die auch Lehrende beider Hochschulen unterschrieben. Die Forderung: Dem Fachkräftemangel solle die Stadt anders begegnen –durch eine Ausweitung der Studienplätze an HAW und EHS (Raues Haus).


Die Zahl der Eltern, die ihr Sorgerecht in Hamburg verlieren, hat sich seit 2011 verdreifacht. Besonders in einkommensarmen Vierteln ?

TAZ Hamburg vom 15.09.2017 : Die Enquetekommission „Kinderschutz und Kinderrechte weiter stärker“ in Hamburg wird sich weiter mit dem Jugendhilfekurs in Hamburg beschäftigen müssen, denn es gibt den Verdacht, dass die Verdreifachung der Sorgerechtsentzüge in Hamburg (ein Anstieg ist Bundestrend) und die deutliche Ausweitung der Heimerziehung (in der Anzahl und in der Dauer, gegen den Bundestrend) aus einem "Angsthandeln" der immer mehr unter Druck (politisch und bürokratisch) geratenen Beschäftigten in den Jugendämtern resultiert.

Die Hamburger Linksfraktion hat in einer Anfrage (siehe den Download hier) genauer nachgehakt und plant weitere Anfragen zu der steigenden Repressivität in der Jugendhilfe und möglicher Armutsfaktoren in bestimmten Vierteln, wo den Kindern und Familien nicht geholfen wird, wie es unsere Verfassung (Artikel 6, Absatz 2), das SGB VIII und die UN-Kinderechtskonvention vorsieht.

Die Linksfraktion hat in der Hamburger Bürgerschaft einen Antrag eingebracht, um gegen Armut vorzugehen, mehr Erziehungsberatung und Ausbau von Familienzentren zu fördern, aber der Antrag wurde von SPD und Grünen abgelehnt.

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Sorgerechtsentzüge, Inobhutnahmen und Hilfen zur Erziehung in Hamburg_Anfrage LINKE_Antwort Hamburger Senat_Sept. 2017
Sorgerechtsentzüge, Inobhutnahmen und Hi
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Noch während die Enquete-Kommission zu Kinderschutz und Kinderrechten in Hamburg tagt, "genehmigt sich" Hamburgs Kinderschutz eine TÜV Zertifizierung und ist nun nach DIN (Deutsche Industrie Norm) für die Herausforderungen gewappnet !? Die zwei Leserbriefe im (oder an das) Hamburger Abendblatt sprechen für sich:

Nicht veröffentlichter Leserbrief (22.08.2017):

 

" Sehr geehrter Herr Dey,
für mich ist Ihr Artikel (siehe Betreff) als Aufmacher des Hamburgteil´s im Abendblatt heute eine außergewöhnliche Enttäuschung!  Mir ist unklar, wie über dieses Thema berichtet werden kann, ohne über das Thema "Kunden" zu schreiben? Natürlich hat das Thema "Kunden" auch eine besondere Geschichte im Öffentlichen Dienst ... aber es gänzlich unerwähnt zu lassen, ist für mich das Einfallstor für Legendenbildung und Opportunismus. Einer (aus meiner Sicht) konservativen Zeitung absolut unzuträglich ....  so könnte man mühelos in die "Trump-Ecke" rutschen.

 

Das dann nicht ein einziges Mal die schreckliche JUGENDHILFE-INSPEKTION erwähnt wird, bleibt mir ebenfalls ein Rätsel. Wann, wenn nicht in diesem Zusammenhang, kann und muß über dieses - nur so gerechtfertigte - "Instrument" denn sonst gesprochen werden?

 

Sie versuchen allerdings auch nicht zu erklären, warum der TÜV/NORD die Expertise haben soll dieses Qualitätsmanagment verstehen und prüfen zu können. Erstaunlich!  Außergewöhnlch finde ich auch, das sie nur den CDU-Abgeordneten Heißner mit einer Stellungnahme zitieren ... was andere politische Parteien sagen bleibt verschluckt!  Wie können Sie dies verständlich sein lassen, wo Sie doch selber mit einem (für mich verständlichen) fragenden Unterton den Artikel beginnen?? Z.B. hat der Bürgerschaftsabgeordnete M. Yildiz die Absicht des damaligen Senators Scheele - der dieses Managment-System unbedingt einführen wollte - unter anderem zum Anlaß genommen eine heftige Kritik zu üben. Er hat schon damals gefordert eine andere Fachlichkeit im Jugendamt zu fördern und gefordert eine Enquete-Kommission dafür einzusetzen.

Das dieses TÜV-Siegel nun im laufenden Enquete-Kommissions-Prozeß eingeführt wird und auch noch gesetzlich (Hamburger Durchführungsgesetz zum SGB VIII - am 1.3.17 in der Bürgerschaft beschlossen ) geregelt wird, ohne Rücksicht auf die eingesetzte Kommission zu nehmen, hätten Sie mindestens erwähnen müssen!

Es ist aus meiner Sicht auch außergewöhnlich bedauerlich, das Sie kein Wort darüber verlieren welches Konzept die BAFSI hier umsetzt. Schließlich dreht es sich ja darum Gefahrenschutz für das Kindeswohl zu gewähren. Und was das heißt, muß in Hamburg mit dem Qualitätsmanagment und dem PC-System JusIt erklärt werden.

Das erklärt aus meiner Sicht auch, warum nicht mehr über die Einhaltung von gesetzlichen Grundlagen, wie sie das SGB VIII vorschreibt gesprochen wird. Menschen, die sich auf der Grundlage des geltenden Rechts eine Unterstützung durch das Jugendamt erhoffen, können jetzt sehr leicht (vielleicht sogar zu leicht) mit  Machtbefugnisse des Staates konfrontiert sehen, die nicht einmal der Polizei zugemutet werden! Niemand würde doch von der Polizei erwarten, das sie einen Diebstahl unterbinden kann. Das Jugendamt (bzw. der ASD) ist nun aber der Gefahrenabwehr zum Schutze von Kinder auf ganz außerordentliche Art verpflichtet. Ein ASD Sozialarbeiter muß Eltern quasi hinter die Stirn schauen, um das Kind vor schwierigen Entscheidungen seiner Schutzbefohlenen zu schützen. Und das so, das in der Hirarchie jede/r örtl. zuständige Sozialarbeiter/in zu jedem Zeitpunkt kontrolliert werden kann, wie er Regeln umsetzt!

Es ist ein Vabanquespiel, das in ihrem Artikel keine Erwähnung findet. Es mutet hilfebedürftigen Kindern und deren Sorgeberechtigten zu Vertrauen aufzubringen, ohne das dort bisher erklärt wurde, warum die Zahl der familiengerichtlchen Auseinandersetzungen immer stärker ansteigen und Sorgerechtsentzüge immer häufiger Bedeutung bekommen. Vertrauen läßt sich so sehr schwer erzeugen.

Bedauerlich ist auch, das Sie nicht versuchen, mit den nun anders verpflichteten Praktikern vor Ort zu sprechen, ich sende Ihnen deshalb die Stellungnahmen der Landesarbeitsgemeinschaft ASD, die Sie mindestens erwähnen hätten sollen.

Bitte versuchen Sie sich noch mal an dieser Materie!

Es grüßt Ihr Leser
P. Meyer  (ehemaliger Sozialarbeiter im Jugendamt Wandsbek)"


Toller und kreativer Jugendhilferatschlag von Praktikern*innen und Wissenschaftlern*innen in den Räumen der "Patriotischen Gesellschaft"


Polizeieinsatz gegen Kinder statt Pädagogik der Eltern und Lehrer*innen - in Hamburg leider immer öfter praktiziert - heutige Politik tendiert zu Scheinlösungen und wenig Rationalität gerade im Umgang mit Gewalt.

"Die Polizei als Knecht Ruprecht zu missbrauchen und Lehrerinnen und Lehrer pädagogisch zu entmachten ist genau der falsche Weg", so der der frühere Hamburger Jugendhilfe-Leiter Wolfgang Hammer in einem TAZ-Kommentar vom 13.12.2016 ... "Gewaltsames Verhalten – auch das von Kindern – ist immer ein Eingriff in die körperliche und seelische Unverletzlichkeit anderer Menschen. Das muss auch jedem Kind unabhängig von den Ursachen und Anlässen verdeutlicht werden.

 

Die dann notwendige angemessene Reaktion auf gewaltsames Verhalten von Kindern setzt aber voraus, den Zusammenhang zu kennen, in dem gewalthaftes Verhalten eines Kindes geschehen ist. Dazu sind die individuellen, familiären und gruppenspezifischen Verursachungszusammenhänge – zum Beispiel Mobbing in der Schule – und der Grad der Gewaltausübung zu klären und zu bewerten. Daraus sind pädagogische Konsequenzen abzuleiten, die meist nicht nur das jeweilige Kind betreffen."


Eine seit Jahren von den Linken eingeforderte Enquete-Kommission kann nun endlich starten.

Die Enquete-Kommission ist entsprechend dem hier downloadbaren Antrag beschlossen worden. Jetzt werden neben den Politikern*innen die 9 externen Fachleute (die Parteien sind benennungsberechtigt) bestimmt, dann kann die Kommission zur Untersuchung der Hamburger Kinder- und Jugendhilfe wohl im November 2016 ihre Arbeit aufnehmen. Siehe dazu auch unter diesem LINK den entsprechenden TAZ-Artikel. „Überzeugend an der Kommission ist, dass sie Kinderschutz und Kinderrechte gemeinsam diskutieren will“, sagt Fabian Kessl. Das sei „ein gutes fachpolitisches Signal“, so der Erziehungswissenschaftler der Uni Duisburg-Essen.

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Die beschlossene Enquete Kommission in Hamburg
Antrag_Einsetzung_Enquete_Kommission.pdf
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Zivilgesellschaftlicher Aufruf zur Einrichtung einer Enquetekommission in Hamburg:   „Die Rechte von Kindern und Jugendlichen umsetzen – für eine nachhaltige Stärkung der Daseinsvorsorge für junge Menschen.“

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Presseerklärung 22.07.2016 Zivilgesellschaftliches Bündnis für eine Enquetekommission, fachlich/politische Auseinandersetzung zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe Hamburg
PE Bündnis Enquetekommission Hamburg_22.
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Ein NDR-Artikel Online vom 22.7.2016 berichtet ausführlich über die in Planung befindliche Enquetekommission aus verschiedenen Blickwinkeln.


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Zivilgesellschaftlicher Aufruf zur Einrichtung einer Enquetekommission in Hamburg _ Mai 2016
Zivilgesellschaftlicher Aufruf zur Einri
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„Zwangsmaßnahmen [Klettbänder/Fesseln] sind nur zur Durchsetzung des Erziehungsrechts zulässig.“ ?!

Hamburg und Bremen planen ein geschlossenes Heim im Rahmen der Jugendhilfe. Doch während Bremen forsch voranschreitet und im April bekannt gab, dass die „Burg“ (im Blockland) als 2.000-Quadratmeter-Neubau schon im Herbst 2017 eröffnen soll, hielt sich Hamburg bisher auffallend zurück. Dabei hat die Elbe-Stadt eigens einen Heim-Träger gegründet und ist für das Inhaltliche zuständig. Doch nun wurde über den Landesjugendhilfeausschuss (LJHA) ein „Eckpunkte-Papier“ öffentlich. Wie die TAZ vom 5.6.2016 berichtet, ist da die Rede von: „Zwangsmaßnahmen [Klettbänder/Fesseln] sind nur zur Durchsetzung des Erziehungsrechts zulässig.“ Sie sollten zwar „keinen Strafcharakter haben“, aber „der Neutralisierung von Fehlverhalten dienen“. Der Jugendhilfeausschuss in Bremen will sich mit dem Heim nach der Sommerpause beschäftigen. Auf eine Anfrage der Linken in Bremen behauptete der Bremer Senat, von all dem nichts zu wissen !?


„Wer glaubt, die Menschen durch Alternativlosigkeit vertreiben zu können, irrt sich“ - Umgang mit Obdachlosen in Hamburg.

Die Hamburger TAZ berichtet am 9.6.2016: Polizisten vertreiben Obdachlose aus dem Park am Altonaer Nobistor. Das sei sinnlos, glaubt „Hinz & Kunzt“-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer.

„Wer glaubt, die Menschen durch Alternativlosigkeit vertreiben zu können, irrt sich“, merkt Karrenbauer an. Deshalb fordert Hinz & Kunzt, den Obdachlosen die teilweise leer stehenden Flüchtlingsunterkünfte zur Verfügung zu stellen. „So hätten sie eine Meldeadresse und könnten sich eine Arbeit suchen“, erklärt Karrenbauer. Dann sei auch das Pro­blem der „wilden Camps“ gelöst, über die sich beschwert wird.


Jede Form der physischen und psychischen Gewalt ist untersagt. Das gilt sowohl für Eltern als auch für FremderzieherInnen.

Die Taz vom 07.06.2016 berichtet über ein Gutachten über den Einsatz von Zwangsmaßnahmen in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe von Hannelore Hebel (Juristin und Diplompädagogin, bis 2014 Professorin für Jugendhilfe- und Familienrecht an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg).

Auszug: "Aus dem Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung, verankert in Paragraf 1.631 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) ergibt sich ein uneingeschränktes Verbot mit Gewalt verbundener Erziehung. Das leitet sich aus Wortlaut und Zielsetzung des Gesetzes ab und aus Artikel 19 der UN-Kinderrechtskonvention. Jede Form der physischen und psychischen Gewalt ist untersagt. Das gilt sowohl für Eltern als auch für FremderzieherInnen."...

Frage: "In den Konzept-Eckpunkten für ein neues Hamburger Heim heißt es: „Zwangsmaßnahmen sind nur zur Durchsetzung des Erziehungsrechts zulässig und sollen keinen Strafcharakter haben, sondern dienen ­der Neutralisierung von Fehlverhalten“.

Antwort: "Es zeugt auf jeden Fall von einem überholten, autoritären Erziehungsverständnis. Alle „Zwangsmaßnahmen“ sind am Gewaltverbot des § 1.631 zu messen – gleichgültig, mit welchem Begriff sie belegt sind. Physische und psychische Gewalt „zur Durchsetzung des Erziehungsrechts“ ist damit nicht erlaubt. Und bei „Neutralisierung von Fehlverhalten“ – aus meiner Sicht ein hoch problematischer Begriff – geht es vermutlich um anderes als um akute Gefahrenabwehr. Würde hier aus erzieherischen Gründen körperlicher Zwang eingesetzt, läge ein klarer Verstoß gegen das Gewaltverbot vor."

 

Das Gutachten erscheint in 2 Teilen in dem Periodikum ZKJ. (Der 1. Teil ist bereits erschienen in der  Ausgabe Nr. 5  Jahrg. 2016, im Inhaltsverzeichnis zu finden unter: Aufsätze, Beiträge, Berichte) 

ZKJ – Zeitschrift für Kindschaftsrecht und Jugendhilfe, Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V.

Hannelore Häbel
Das Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung und seine Bedeutung für die Zulässigkeit körperlichen Zwangs in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe – Teil 1
Seite 168

Mitherausgeber
Prof. Dr. Stefan Heilmann, Prof. Siegfried Willutzki, Prof.Dr.Dr.h.c.Reinhard Wiesner
Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V. , Herrnstraße 53, 90763 Fürth

 

Kooperationspartner:
Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e.V. BAFM, Berlin
BVEB – Berufsverband der Verfahrensbeistände, Ergänzungspfleger und Berufsvormünder für Kinder und Jugendliche e.V., Berlin


Berichte über Rechtsverletzungen und Misshandlungen in Schleswig-Holsteiner Jugendeinrichtungen: Piraten und LINKE erheben massive Vorwürfe

Pressemitteilung der Linken (Hamburg) und Piraten (Schleswig-Holstein) vom 03.05.2016:

"Die Skandale um die Jugendeinrichtungen “Friesenhof” und “Haasenburg” haben bundesweit Schlagzeilen gemacht. Berichte von Jugendlichen, die über lange Zeit systematisch gedemütigt, erniedrigt und drangsaliert wurden, hatten zur Schließung der beiden Heime und zur Bildung eines Untersuchungsausschusses im Schleswig-Holsteinischen Landtag geführt. Die politisch Verantwortlichen in Kiel und Hamburg versprachen, die Ereignisse aufzuarbeiten und die Mängel in den Einrichtungen abzustellen.
Doch wie es scheint, hat sich überhaupt nichts geändert. Recherchen der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft und der Piratenfraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag haben neue Fälle ans Licht gebracht, bei denen es wieder um Misshandlungen und Rechtsverletzungen in norddeutschen Jugendheimen geht. Konkret geht es um Einrichtungen der Träger “Heilpädagogische Kinder- und Jugendhilfe Dithmarschen, Dörpling” und “Therapiezentrum Rimmelsberg”, speziell um die Einrichtung „Hof Seeland“.
Involviert waren dabei offenbar auch ehemalige Mitarbeiter/innen des “Friesenhofes”, die nach der Schließung des Skandal-Heims in ähnlichen Einrichtungen in Schleswig-Holstein zum Einsatz gekommen sind und sich auch dort an zweifelhaften pädagogischen Methoden beteiligt haben sollen. Das jedenfalls legen zahlreiche Berichte von Trägern, Angehörigen und betroffenen Kindern nahe, die den Fraktionen der Piraten und Linken vorliegen.
Sabine Boeddinghaus, Co-Vorsitzende der Linksfraktion Hamburg: “Wieder zeigt sich, dass die Hamburger Jugendämter junge Menschen außerhalb der eigenen Landesgrenze unterbringen, ohne genau wissen zu wollen, wie die jeweiligen Einrichtungen arbeiten und wie es den jungen Menschen dort geht. Es entsteht der Eindruck, dass für die Behörde weiterhin gilt: Aus den Augen, aus dem Sinn. Wir erwarten, dass die Jugendämter bereits vor der Belegung die pädagogischen Konzepte der Einrichtungen prüfen und bewerten müssen. Dabei muss endgültig Schluss gemacht werden mit der Methode ‘Schwarze Pädagogik’ in vermeintlich offenen Einrichtungen. Erniedrigungen, Isolierungen, Strafsport, Kontaktsperren und erniedrigende Verhaltenszüchtigungen haben keinen Platz in der Kinder und Jugendarbeit.”
"Die Friesenhof-Heime waren, wie die der Haasenburg-Gruppe, eine Art pädagogisches Gorleben", sagt Wolfgang Dudda, sozialpolitischer Sprecher der Piratenfraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag. „Bootcamp-Pädagogik als Ersatz für tatsächlich nicht vorhandene geschlossene stationäre Einrichtungen der Jugendhilfe hätte nie stattfinden dürfen und darf nie wieder stattfinden. Die Aufsichtsbehörde, das Landesjugendamt, ist zu keiner Zeit rechtlich und von der personellen Ausstattung her in der Lage gewesen, eine echte Fachaufsicht auszuüben. Hier gehen privates Profitstreben um jeden Preis mit vermeintlichen Sparzwängen des Staates Hand in Hand.”
Linke und Piraten fordern die Behörden einmütig auf, die vorliegenden Beschwerden genaustens zu prüfen und zu den konkreten Vorwürfen der Betroffenen Stellung zu nehmen. Die betroffene Einrichtung „Hof Seeland“ (Rimmelsberg) und andere Einrichtungen sind unverzüglich zu schließen, wenn sich die Aussagen der Betroffenen bestätigen sollten."

 

Weitere Infos zur Kritik am Konzept der "Geschlossenen Unterbringung" unter diesem internen LINK.

Der NDR hat in einem Fernsehbeitrag über die "zweifelhaften pädagogischen Methoden" in der "Heilpädagogischen Kinder- und Jugendhilfe Dithmarschen" in Dörpling und im "Therapiezentrum Rimmelsberg" - speziell in der Wohngruppe "Hof Seeland" in Lindewitt berichtet.


Interview mit emer. Prof. Timm Kunstreich (Rauhes Haus) über die Folgen der "Kontrollorientierung" in der Hamburger Kinder- und Jugendhilfe

[Auszüge eines Interviews in Zeit Online 30.05.2016] Herr Kunstreich, was kann eine Enquetekommission bringen, wenn die Sozialbehörde zwar Regeln aufstellt, etwa für Pflegefamilien, diese aber in vielen Fällen von Jugendämtern und Bezirksamtsleitern so nicht umgesetzt werden?

 

Das ist ein Grundproblem in der derzeitigen Kinder- und Jugendhilfe: Es gibt eine
Überregelung. Selbst wenn sich Sozialarbeiter daran halten wollen, ist das nicht einfach, weil es
sehr viel und kompliziert ist. Ein anderes Problem ist, dass neben der ganzen Reglementierung oft
gar nicht berücksichtigt wird, was Kinder und Familien wirklich wollen. Deshalb ist die
Kommission wichtig, um die Wünsche der Kinder wieder in den Mittelpunkt zu rücken.

 

Aber besteht durch weniger Regeln nicht die Gefahr, dass sich die Probleme eher
verschärfen?


Kunstreich: Eher nicht, gerade durch die Kontrollorientierung werden Familien häufig in die
Isolation geführt. Statt der starken Kontrollen sollte es lieber mehr Gespräche geben. Heute melden
sich nur noch wenige Familien mit Problemen selbst bei den Jugendämtern und anderen
Einrichtungen, weil sie Angst haben, dass ihnen die Kinder weggenommen werden.


Nach erneutem tragischem Todesfall eines Kindes in Hamburg im Dezember 2015 - beginnt erneut die Suche nach den Hintergründen

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Stellungnahme von Hamburger Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern der Sozialen Arbeit anlässlich des Todes von Tayler (Februar 2016)
Stellungnahme_Hamburger Hochschullehrer_
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Eine Fallobergrenze aber gibt es weiterhin nicht. 70 Fälle pro Mitarbeiter sind keine Seltenheit, manche berichten von mehr als 100 Fällen. Zum Vergleich: In Stuttgart sind es 20 Fälle.
HA 21.12.2015_Fallobergrenze gibt es wei
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Wieder das altbekannte "Ritual": Schuldige werden bei den Sozialarbeitern gesucht. Strukturelle Unterausstattung wird vertuscht und die "Perfektionierung" des Kontrollapparates soll Abhilfe schaffen.

"Für Sabine Boeddinghaus, Jugendpolitikerin der Linken, macht es keinen Sinn, jetzt öffentlich nach einzelnen Schuldigen zu suchen. Der Fall müsse im Sinne des Kinderschutzes reflektiert werden, um Verbesserungsbedarf zu erkennen.

Auch der frühere Jugendhilfe-Abteilungsleiter Wolfgang Hammer warnt von einem „alten Ritual“ der Suche nach einem politisch oder persönlich Verantwortlichen in einem Einzelfall. „Ohne zynisch sein zu wollen: bei 120 bis 150 toten Kindern im Jahr bundesweit, ist es naiv zu glauben, dass das an Hamburg vorbeigeht.“ Nötig wäre, das gesamte Arbeitsgebiet auf den Prüfstand zu stellen und so zu verbessern, dass „Schutz und Bedürfnisse der Kinder“ im Zentrum stünden." TAZ Hamburg 21.12.2015


Auswärtige Unterbringung: Fachlich und finanziell katastrophal - Die Linke in Hamburg fordert schon länger eine Enquete-Kommission

"Ein sowohl fachlich als auch finanziell katastrophales Bild der Jugendhilfe in Hamburg zeigen die Antworten des Senats auf die Große Anfrage „Auswärtige Unterbringung bei den Hilfen zur Erziehung“ (Drs. 21/2013) der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft. „Schon eine erste Analyse ergibt alarmierende Befunde“, erklärt dazu Sabine Boeddinghaus, jugendpolitische Sprecherin der Fraktion. „So ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die Hamburg in Einrichtungen außerhalb der Stadt unterbringt, innerhalb von drei Monaten von 1433 auf 1626 gewachsen, weil bei den bisherigen Zahlen die Unterbringung der jungen Volljährigen nicht berücksichtig wurden. Damit sind fast 44 Prozent aller Kinder und Jugendlichen, die die Behörde in ihrer Obhut hat, außerhalb der Stadt. Selbst Babys und Kleinkinder werden auswärtig untergebracht!“

(linksfraktion-hamburg 2015/11/26/)   und   TAZ Hamburg 26.11.2015

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Antworten des Senats auf die Große Anfrage „Auswärtige Unterbringung bei den Hilfen zur Erziehung“ im Hamburg (Sticht. 30.6.2015)
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Als Reaktion auf den Tod von Yagmur, Chantal, Lara-Mia, Jessica seit 2005 in Hamburg gibt es jetzt endlich 75 zusätzliche Stellen für den Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) in den bezirklichen Jugendämtern.

"Immer wieder hatten Gewerkschaften und die jeweiligen Oppositionsparteien auf die Überlastung der ASD-Mitarbeiter verwiesen und mehr Personal gefordert. Am Dienstag nun, nach mehrjährigem Vorlauf, gab der Senat bekannt, dass der ASD 20 Prozent mehr Personal bekommt: Die Zahl der Stellen in den Bezirken wird von 371 um 75 auf 446 erhöht." (Zitiert aus Hamburger Abendblatt 23.9.2011, Download hier)

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Mehr Stellen für den Hamburger ASD
Abendblatt am 23.9.2015.pdf
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TAGUNG: Entschlossen Offen – kein Ein- und Ausschluss in der Jugendhilfe. Gegen geschlossene Unterbringung von Jugendlichen. Eine Diskussion über Chancen und Möglichkeiten, pädagogisch begründeten Freiheitsentzug, Machtmissbrauch, Entwürdigung und Heimkarrieren in Hamburg zu verhindern.

 

Montag, 13.7.2015 von 09:30 - 16:30 Uhr, Patriotische Gesellschaft von 1765, Trostbrücke 6, Hamburg


Link zu mehr Infos:

http://www.geschlossene-unterbringung.de/


Dokumentation Hamburger Fachtag „ Soziale Arbeit im ASD – eine professionelle Herausforderung “ 23.04.2015

DOKUMENTATION DER TAGUNG ...Vor dem Hintergrund vieler politisch begründeter Bedrängnisse und der tatsächlichen Schwierigkeiten für die Praxis der SozialarbeiterInnen im ASD Hamburg in den 7 Bezirksämtern haben Wissenschaft und Praxis einen öffentlichen Austausch im April 2015 ermöglicht; fokussiert auf den Allgemeinen Sozialen Dienst der Hamburger Jugendämter und inititiert von der HAW in Hamburg. Bleibt zu hoffen, das die Hamburger Fachbehörde BASFI diesen Diskurs zu nutzen weiß, um sich - statt der bisherigen ausschließlich kontrollierenden und organisationellen Top-Down Konsequenzen - zu öffnen für eine konstruktive Weitergestaltung der Rahmenbedingungen Sozialer Arbeit in Hamburg. Der Diskurs ist exemplarisch und interessant für andere Kommunen und Städte.

 

Veranstalter war die Fakultät Wirtschaft und Soziales, Department Soziale Arbeit in Kooperation mit dem Zentrum für Praxisentwicklung – ZEPRA.:

Prof. Dr. Knut Hinrichs E-Mail: knut.hinrichs@haw-hamburg.de

Prof. Dr. Manfred Neuffer E-Mail: manfred.neuffer@haw-hamburg.de

Unterstützt von verdi (Bund/Länder Hamburg), DBSH, ASD-Vernetzungstreffen.

 

Die gesamte Tagung ist hervorragend dokumentiert (Vorträge und ein Video der abschl. Podiumsdiskussion) auf der WEB-Seite der HAW, Hochschule für angewandte Wissenschaften, in Hamburg.

 

Hier die Links:

http://www.haw-hamburg.de/ws-soa/unser-department/tagungen/fachtag-asd/organisation-und-veranstalter.html

Beispielhaft dieser Vortrag:

Thomas Zurborg: 25 Jahre im ASD–Anspruch und Wirklichkeit (1989–2015)

Das Video der abschließenden Podiumsdiskussion

 

Aus dem Vortrag von Karl Materla, BAG ASD/KSD:


Parlamentarischer Untersuchungsausschuss zum tragischen Tod von Yagmur in Hamburg am 3.6.2014

Am Dienstag 3. Juni 2014 sagte ASD-Chef in Eimsbüttel Matthias Stein im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum tragischen Tod von Yagmur in Hamburg aus und er wurde deutlich: „Das Jugendamt ist nicht arbeitsfähig!“ (s.u. mopo + taz Presse) Sozialsenator Scheele hat nun 26 neue Stellen und einige Zeitarbeitskräfte zugesagt, aber wo ? Im Leitungsbereich und für die Umsetzung der bei Kollegen*innen stark kritisierten Software "Just-IT". Die Kollegen*innen, die unter extremer Fluktuation leiden, sowie die Gewerkschaften ver.di und GEW fordern seit Längerem eine deutliche Fallzahlbegrenzung auf 28 Fälle pro Vollzeitstelle. Dafür bräuchte es deutlich mehr Stellen, und zwar in der konkreten Fallarbeit im direkten Kontakt mit den Familien. Sozialsenator Scheele ist darauf schon seit Jahren hingewiesen worden, nachdem Jessica (✝5) aus Jenfeld und Chantal (✝11) aus Wilhelmsburg gestorben waren. Das rigide Sozialkürzungsprogramm der alleinregierenden SPD sah anderes vor. http://www.mopo.de/nachrichten/fall-yagmur-asd-chef-stein---das-jugendamt-ist-nicht-arbeitsfaehig--,5067140,27339238.html http://www.taz.de/Konsequenzen-aus-dem-Fall-Yagmur/!139876/

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Aufwachsen in gemeinsamer Verantwortung - Minderheitenbericht DIE LINKE zum PUA YAGMUR Hamburg
Yagmur PUA Minderheitenbericht LINKE Ham
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