Aktuelles:

Am 15.02.2017 tagte in Bremen eine ver.di Mitgliederversammlung Diakonie, als Start für eine länger andauernde Kampagne zur Erkämpfung eines Tarifvertrages für die Beschäftigten in den Diakonischen Einrichtungen (Friedehorst, Innere Mission, Diako-Krankenhaus usw.) Anwesend auch: Berno Schuckart- Witsch aus der ver.di Bundesverwaltung sowie Rechtanwalt Bernhard Baumann-Czichon.

 

Die ARK DD (Arbeistrechtliche Kommission Diakonie Deutschland) zeigt gerade deutlich, wo der „3. Weg“ hinführt. Wirkte die Bezahlung in Diakonischen Einrichtungen, die sich überhaupt noch an die AVR DD (Arbeitsvertragsrichtlinien der Diakonie Deutschland) halten, bisher recht auskömmlich, so scheint sich seit 2016 ein Ende abzuzeichnen. Wie seit Langem zu beobachten, wird mit der vorgeschobenen Begründung fehlender Refinanzierung (es gibt gegenteilige Urteile dazu) argumentiert und immer häufiger an Stellschrauben in der AVR DD gedreht, um Personalkosten zu senken. Die Arbeitnehmervertreter*innen in den Kommissionen sind schon seit 2009 ausgestiegen. Auf der Versammlung wurde mithilfe einer Synopse über die Historie, die Vorteile von Tarifverträgen und die Nachteile des „3. Weges“ diskutiert.

 

Der Gesamtausschuss der Diakonischen Mitarbeitervertretungen Bremens hat bereits Position bezogen: Er forderte die Diakonie Bremen bereits im September 2016 auf, mit verdi Tarifverhandlungen einzuleiten.


Podiumsdiskussion am 17.11.2015:

Sind die kirchlichen Sonderrechte im Arbeitsrecht noch zeitgemäß ?

 

 

Zu dieser Frage organisierte verdi und das Bremer Bündnis Soziale Arbeit, eine moderierte Podiumsdiskussion mit Vertretern der bremischen evang. Kirche und Diakonie, Gewerkschaften und einem Fachanwalt für Arbeitsrecht, im DGB-Haus in Bremen.

 

Verdi Sekretär Jörn Bracker begrüßte die ca. 50 Engagierten, viele Beschäftigte und Mitarbeitervertretungen aus diakonischen Einrichtungen. Sie verfolgten interessiert die von Marie Seedorf (von unserem Bündnis) moderierte Diskussion über die fortexistierenden Sonderrechte der Kirchen im Arbeitsrecht, über Streikrecht, das Betriebsverfassungsgesetz und unterschiedliche Entlohnungsstrukturen.

 

An vielen Punkten konnten erfreulich viele Gemeinsamkeiten im gemeinsamen Bestreben für gute Arbeitsbedingungen in der Sozialen Arbeit und in der Pflege herausgearbeitet werden.

 

Der Geschäftsführer der Diakonie Manfred Meyer betonte die seiner Ansicht nach oftmals bessere Bezahlung (AVR), besonders in den kirchlichen Altenpflegeeinrichtungen, gegenüber anderen Wohlfahrtsverbänden und den frei-gewerblichen Marktkonkurrenten, nachdem diese seit der "Marktöffnung" in den 1990er Jahren mit niedrigeren Löhnen in den Markt drängten. Dem wolle man nun mit dem mit verdi ausgehandelten (hoffentlich bald allgemeinverbindlich erklärten) Tarifvertrag Pflege (bzw. aktuell Pflege-Ausbildung) in Bremen entgegentreten.

 

Dr. Johann Daniel Noltenius (Chef der Bremer Kirchenkanzlei) meinte, dass alle in den kirchlichen Einrichtungen Beschäftigten das Recht haben sollten, zu den Mitarbeitervertretungen zu kandidieren. Den Einrichtungen sollte es freigestellt werden, das selbst zu gestalten, obwohl es in der EKD noch längerer Überzeugungsarbeit bedürfe, bis auf Bundesebene das Mitarbeitervertretungsgesetz entsprechend geändert werden könne. Kirchliche Einrichtungen, die aus der Diakonie und deren AVR (Arbeitsvertragsrichtlinien) ausscherten, und dann niedrigere Löhne zahlten, sollten - so Noltenius - es mit gewerkschaftlichen Streikmaßnahmen zu tun bekommen.

 

Berno Schuckart-Witsch (ver.di-Bundesverwaltung, Bereich Kirchen) und RA Baumann-Czichon Bernhard betonten, dass das Streikrecht im Grundsatz vom BAG (Bundesarbeitsgericht) ohnehin nicht eingeschränkt wurde. Wenn notwendig und möglich würde ver.di auch zu diesem letzten Mittel greifen. Schuckart-Witsch bemängelte zudem die fehlende Transparenz der realen Entlohnungsstrukturen im Diakonischen Bereich, die bei genauerer Prüfung leider immer noch flächendeckend von Entlohnung unterhalb von TVÖD, TVL (den Leittarifen im öffentlichen Dienst) geprägt sind.

Seit der Gesetzgeber entschieden hätte, dass die ausgehandelten Tarife in der Pflege auch zwingend refinanziert werden müssten, ärgere ihn das immer wieder vorgetragene Argument mit der schwierigen Refinanzierung. Kirchliche Einrichtungen sollten in den Verhandlungen [mit Kommunen und Versicherungen] selbstbewußter auf die Tariftreue pochen. 

Berno Schuckart-Witsch antwortete auf die Einladung der Kirche, an den sog. „arbeitsrechtlichen Kommissionen“ teilzunehmen: "Das ist ja so, als würde anläßlich eines Fußballspiels, die gastgebende Mannschaft bestimmen wollen, wie die gegnerische Mannschaftsaufstellung auszusehen habe [die Zusammensetzung der Arbeitnehmervertreterseite werden von der Kirche mitvorgegeben]. Dem würde keine Gewerkschaft der Welt zustimmen."

 

Christian Gloede (GEW Landesvorstand Bremen) ging auf den Verlauf des SuE-Tarifkampfes ein: "Hätten sich die Kollegen*innen der kirchlichen Kitas und Sozialeinrichtungen (z.B. in Bremen) im Sommer 2015 solidarisch am Arbeitskampf/den Streiks im Sozial- und Erziehungsdienst beteiligen können, hätten wir ein viel besseres Ergebnis gemeinsam erzielen können. Schließlich übernähmen die Beschäftigten [in Bremen] in den kirchlichen Kitas nachfolgend das Ergebnis der Tarifauseinandersetzung, ohne selbst etwas dazu beitragen zu können."

 

Rechtsanwalt Baumann-Czichon, der den Abend mit einem kurzen Eingangsstatement eröffnete, wies auf die eklatante Beliebigkeit hin, mit der einige kirchliche Betriebe ausgelagert und verweltlicht würden, dort wo es aus betriebswirtschaftlichen Gründen opportun sei. Gleichzeitig werde an anderer Stelle, wie bei der ACK-Regelung (vom passiven Wahlrecht zur Mitarbeitervertretung MAV werden alle, die nicht in der Kirche sind, ausgeschlossen), darauf gepocht, formale kirchliche Loyalitäten von allen Mitarbeitern einzufordern. Dass passe nicht zusammen und widerspräche dem selbst postulierten Anspruch.

 

Diskussionsteilnehmer*innen aus dem Publikum fragten nach und kritisierten

  • die Ausgrenzung von Menschen anderer Religions- und Kulturkreise, z.B. durch die Einstellungspraxis oder die ACK-Regelung, wo doch gerade im Zuge vermehrter Zuwanderung eine wachsende Zahl betreuter Menschen wünschte, das Personal möge tieferes Einfühlungsvermögen für den eigenen Kulturkreis mitbringen, bzw. diesem möglichst selbst angehören und dessen Sparche beherrschen.
  • die Lohnrealität, die oft weit unter den AVR-Tabellen läge, oder wie in Bremen am Beispiel von Friedehorst mit jahrelangen „frewilligen“ Lohnabsenkungen zur Rettung der „Firma“ operierten.
  • die noch viel zu häufigen Schwarzen Schafe im diakonischen Bereich (z.B. aktuell die Eggestorf-Stiftung u.a.)

Gefordert wurde

  • die Abschaffung der sog. ACK-Regelung im Mitarbeitervertretungsgesetz,
  • die Abschaffung der Sonderregeln im sog. "Gleichbehandlungsgesetz", die den diakonischen Einrichtungen Ungleichbehandlung von Menschen anderer oder keiner Religion zugestehen (also Diskriminierung gesetzlich erlauben),
  • eine zeitgemäße Verfassungsänderung (langfristige Strategie) dahingehend, dass für alle Beschäftigten (besonders im "nichtverkündungsnahen" Bereich) gleiche Mitbestimmungsrechte nach dem Betriebsverfassungsgesetz gelten sollten (Betriebsräte u.a.) und
  • dass die in Niedersachsen (und in Bremen anvisierter TV-Pflege) bereits praktizierten Tarifabschlüsse zwischen verdi und der Diakonie bundesweit Schule machen sollten.
Download
Zusammenfassung des Verlaufs der Podiumsdiskussion am 17.11.2015 in Bremen zu den Sonderrechten der Kirchen im Arbeitsrecht
Podiumsdiskussion am 17.11.2015 kirchlic
Adobe Acrobat Dokument 448.6 KB

"Ziel [...] ist es, die arbeitsrechtliche Situation kirchlicher Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, insbesondere in nicht verkündungsnahen Bereichen, an die außerhalb der kirchlichen Einflusssphäre geltenden arbeitsrechtlichen Bedingungen anzugleichen." (Koalitionsvertrag zwischen SPD und Grünen 2015 in Bremen, S. 19 )


Download
Verdienste in den Pflegeberufen (Kranken- und Altenpflege) in Deutschland 2015 - IAB - Beauftragter der Bundesregierung
Ws frau in den Pflegeberufen in Deutschl
Adobe Acrobat Dokument 3.3 MB

Gerecht geht anders - Diakonie Deutschland im Rückwärtsgang

Der aktuelle Konfrontationskurs 2016/17 der Diakonie hat auf der Bundesebene eine neue Qualität erreicht. Massive Kürzungswünsche werden von den Arbeitgebervertretern (VdDD. Verband diakonischer Dienstgeber Deutschlands) in die Arbeitsrechtliche Kommission (ARK DD) getragen.

 

 

Neben pauschalen Gehaltskürzungen in der Altenhilfe stehen Absenkungen für Beschäftigte in der beruflichen Bildung, deutliche Verschlechterungen bei der betrieblichen Zusatzversorgung und die Streichung des Kinderzuschlags im Forderungskatalog. Die Arbeitnehmervertreter fühlen sich an die Wand gedrückt. Auf Augenhöhe wurde im »Dritten Weg« noch nie verhandelt. Die Gewerkschaft ver.di hat die Beschlüsse der ARK-DD seit 2011 analysiert und in einem neuen Infoblatt veröffentlicht.

Das Ergebnis ist leider ernüchternd. Wir brauchen fächendeckende Tarifverträge. Das von der Diakonie Deutschland aus profitgetriebenen Gründen favorisierte "kollektive Betteln" des sog. "3. Weges" muss ein Ende haben.

 

 

Das Infoblatt „Gerecht geht anders – Diakonie im Rückwärtsgang“ finden Sie  >> hier


Kirchliches Streikverbot aufheben! Petition

Soziale Berufe sind deutlich unterbezahlt. Das hat einen Hintergrund. Denn Beschäftigte von kirchlichen Einrichtungen haben kein Streikrecht. Da aber vor allem Kirchen im sozialen Bereich die "großen" Träger, also Arbeitgeber, sind, ist eine Schieflage entstanden. Wie sollen diese Berufsgruppen wie z.B. ErzieherInnen, AltenpflegerInnen und Krankenschwestern, ihre Rechte durchsetzen, wenn sie nicht streiken dürfen ?   Deshalb die Petition mitzeichnen.


Warum Streiks weh tun müssen - auch in der "Daseinsvorsorge"

Die Streiks bei der Bahn, der Post und dann bei den KiTas, Sozial- und Erziehungsdiensten haben bei vielen Kunden/Nutzern*innen und den Arbeitgeberverbänden großen Unmut hervorgerufen, was im Spätsommer 2015 von der CSU sogar zum Anlass genommen wurde, über eine (chancenlose) Gesetzesinitiative zur Einschränkung des Streikrechts in der öffentlichen Daseinsvorsorge Propaganda zu machen.

 

DIE LINKE hat das kritisiert und in Hamburg zur Debatte gestellt. Ein engagierter Gewerkschafter und SPD-Mann (Wolfgang Rose) in der Hamburger Bürgerschaft hat eine sehr gute Stellungnahme über die Wichtigkeit des Streikrechts verfasst (download).

Download
Stellungnahme von Wolfgang Rose.pdf
Adobe Acrobat Dokument 265.7 KB

Download
Nichtkirchenmitglieder in Diakonischen Einrichtungen sind von der Kandidatur (passives Wahlrecht) für Mitarbeitervertretungen ausgeschlossen
Die-ACK-Klausel Ungleichbehandlung von N
Adobe Acrobat Dokument 348.2 KB

Ein aktuelle Denkschrift der EKD zu dem Thema

Download
Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt - ein Denkschrift der EKD
https://www.ekd.de/download/2015_solidaritaet_und_selbstbestimmung.pdf
2015_solidaritaet_selbstbestimmung_EKD.p
Adobe Acrobat Dokument 2.0 MB

Download
Mitarbeitervertretung und Betriebsrat im Vergleich - Unterschiede zwischen Betriebsverfassungsgesetz und Mitarbeitervertretungsgesetz
diakonieVergleichBetrVG-MVG-2.pdf
Adobe Acrobat Dokument 73.7 KB

Online-Umfrage zu Arbeitsbedingungen in Kirche, Diakonie und Caritas

Die Kirchen und ihre Diakonie und Caritas nutzen bei der Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen nach wie vor weitgehende Sonderrechte. Sie legen die Arbeitsbedingungen in "Arbeitsrechtlichen Kommissionen" fest. Sie schaffen eigenes Mitarbeitervertretungsrecht. Und sie können von gesetzlichen Öffnungsklauseln Gebrauch machen ... . Zu welchen Arbeitsbedingungen führen diese Sonderrechte? Dieser Frage wollte nun die Zeitschrift für Mitarbeitervertretungen „Arbeitsrecht und Kirche“ AuK auf den Grund gehen. In einer Umfrage (https://www.soscisurvey.de/AuK2015/) sollten Antworten gefunden werden. Hier eine Presseerklärung zu den Ergebnisssen. (http://www.ag-mav.de)

 


Hintergründe und Kritik der kirchlichen Sonderrechte im Arbeitsrecht

„Bei der Verteidigung des Sozialstaats sind die Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände wichtige Bündnispartner der Gewerkschaften. Warum nur fürchten sie dann in ihren eigenen Betrieben und Einrichtungen die Gewerkschaft ... so sehr ...? Kirchen müssen ihre originär kirchlichen Angelegenheiten selbst regeln können, ohne Einmischung des Staates – das steht außer Zweifel. Aber sind die Arbeitsbedingungen von über einer Million Beschäftigten wirklich eine eigene Sache der Kirche? Ich meine, nein. Es sind die Angelegenheiten der Betroffenen. Schon lange sind es nicht mehr Ordensschwestern, die in den konfessionellen Einrichtungen arbeiten, sondern gut qualifizierte und professionelle Erzieher(innen), Sozialarbeiter(innen) und Krankenpfleger(innen). Viele von ihnen können sich ihren Betrieb nicht aussuchen, denn nach dem Staat sind die Kirchen der größte Arbeitgeber der Branche. Was ist so schlimm an echter Mitbestimmung, an demokratischen Strukturen in kirchlichen Betrieben? Warum will man nicht, dass die Beschäftigten emanzipiert mit der zuständigen Gewerkschaft und auf Augenhöhe mit ihrem Arbeitgeber Tarifverträge aushandeln können, wie es in jedem anderen Betrieb des Landes möglich ist? Klar, dass dazu auch das Streikrecht gehören muss. Alles andere wäre kollektives Betteln. Doch Arbeitskämpfe sind in Tarifverhandlungen nur das letzte Mittel. Wenn es den Kirchen, wie sie regelmäßig beteuern, tatsächlich nicht darum geht, aus ihrem Sonderweg einen Wettbewerbsvorteil zu schlagen, wenn sie anständige Arbeitgeber sein und ihren Mitarbeiter(innen) gute Arbeitsbedingungen bieten wollen, dann müssten sie den Arbeitskampf nicht fürchten....


In der Sozial- und Gesundheitswirtschaft gibt es mittlerweile eine „Schmutzkonkurrenz“. Billiganbieter bestimmen immer öfter die Höhe der Refinanzierung. Deshalb stehen auch die Einrichtungen der Caritas [und Diakonie] unter Druck, was Einkommen und Arbeitsbedingungen betrifft. Unsere Lösung: ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag. Zu dessen Einhaltung wären auch jene Unternehmen verpflichtet, die sich heute mit Lohndumping und schlechten Arbeitsbedingungen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. ...


Zum Jahreswechsel mussten sich die Caritas-Einrichtungen laut Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz entscheiden: Entweder sie übernehmen die kirchliche Grundordnung mit dem Dritten Weg kircheninterner Lohnfindung in ihre Statuten oder sie verlassen diesen Sonderweg. Ich wünsche mir, dass viele Verantwortliche die Chance erkennen und sich für echte Mitbestimmung und mehr Demokratie entscheiden. ... Vielerorts setzen sich Kirche und Caritas für die Einhaltung der Grund- und Menschenrechte ein. Das ist gut. Diese müssen aber auch für die Beschäftigten der eigenen Einrichtungen gelten. Ihnen das aus der Koalitionsfreiheit abgeleitete Streikrecht zu verweigern, ist weder sozial- und rechtsethisch noch theologisch zu rechtfertigen, wie der Sozialethiker Hartmut Kreß von der Universität Bonn in einem Anfang November vorgestellten Gutachten für die Hans-Böckler-Stiftung bestätigt.... Die Situation im Sozial- und Gesundheitswesen hat sich dramatisch verändert, seit es die politische Entscheidung gab, auch in diesem Bereich den ökonomischen Wettbewerb zuzulassen. Zunehmend drängen private Anbieter in die Branche, die mit der Versorgung und Betreuung von Kindern und Hilfebedürftigen Geld verdienen wollen. Es braucht einen Schulterschluss zwischen allen, die diesen Weg für falsch halten.“ (Sylvia Bühler (verdi) in „Neue Caritas“, Ausgabe 01/2014)

 

Online-LINKS:

 

Sozialethisch/theologisch höchst fragwürdig und im Konflikt mit elementaren Grundrechten. link

 

Koalitionsfreiheit nach Grundgesetz Artikel 9, Abs. 3 u.a. das Streikrecht link

 

HBS-Studie "Leiharbeit und Ausgliederung in diakonischen Sozialunternehmen: Der "Dritte Weg" zwischen normativem Anspruch und sozialwirtschaftlicher Realität", die im Mai 2012 von Heinz-

Jürgen Dahme, Gertrud Kühnlein, Anna Stefaniak, Norbert Wohlfahrt veröffentlicht wurde.


Glossar-zum-Arbeitsrecht-in-Kirchen internetlink

 

Dr. Hermann Lührs Ausarbeitung über die Unterschiede zwischen Betriebsverfassungs- u. Mitarbeitervertretungsgesetz

 

Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz: link

 

Prof. Dr. Hartmut Kreß, Evangelisch Theologische Fakultät der Uni Bonn link

 

Arbeitsrechtliches Erbe des Nationalsozialismus "Die Dienstgemeinschaft" link

 


Das erinnert an Feudalismus: Über einen 150 Jahre alten Rotkreuzschwestern-Verein, wo Frauen keinen Arbeitsvertrag sondern eine Vereinsmitgliedschaft haben ?!

Benachteiligte "Rotkreuzschwestern". Krankenschwestern in der Schwesternschaft des DRK fordern normale Arbeitsrechte – wie sie die männlichen Beschäftigten schon immer haben.

"Betriebsrat Werner Lifka erlebt immer wieder, dass die Rotkreuzschwestern gar nicht wissen, was sie unterschrieben haben: „Viele stellen dann fest, dass es kein Arbeitsvertrag, sondern die Mitgliedschaft in der DRK-Schwesternschaft war.“

https://www.taz.de/Benachteiligte-Rotkreuzschwestern/!5229006/

 


Aktuelles:

Mit der Übergabe des Betriebs einer Kreisklinik an christliche Fundamentalisten hat der Landkreis Schaumburg einen kolossalen Bock geschossen.

"Seit Monaten verhandelt der Landkreis mit dem evangelikalen Klinik-Konzern Agaplesion über die Übergangstarife für die zwei kommunalen Kliniken, die mit dem alten Diakonischen Klinikum Bethel verschmolzen und vom Agaplesion-Konzern übernommen werden sollen.

Der Landkreis spendiert Agaplesion nicht nur 95 Millionen zum Neubau, sondern hilft auch beim Arbeitsplatzabbau. Nichts wie weg mit den kommunalen Kliniken, scheint die Parole gewesen zu sein. Agaplesion, ein von Baptisten gegründeter Klinik-Konzern, der inzwischen bundesweit über 20 Häuser verfügt, spart als gemeinnützige Gesellschaft nicht nur bei den Steuern, sondern auch bei den Löhnen. Statt des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVÖD) bekommen neu eingestellte MitarbeiterInnen in Zukunft nur TVDN, den Diakonie-Tarifvertrag Niedersachsens.

Der Landkreis sah sich von der Aufgabe der Gesundheitsvorsorge überfordert – finanziell und offenbar auch politisch. Hat sich denn niemand klargemacht, was es bedeutet, wenn man die medizinische Klinik-Versorgung in evangelikale Hände legt? In Rotenburg, wo Agaplesion die einzige Klinik am Ort betreibt, hätte man sich das anschauen können: Wer abtreiben muss, geht nach Bremen. Auch für die Frauen im Landkreis Schaumburg wird es nun heißen: „Geht doch nach drüben“, nach Minden in Nordrhein-Westfalen etwa.

Dass die staatlichen Verwaltungen sich von der Organisation der öffentlichen Daseinsvorsorge überfordert fühlen, ist nicht nur im Landkreis Schaumburg festzustellen. Es wäre an der Zeit, einmal gründlich zu untersuchen, woran das liegt – und Konsequenzen zu ziehen. Wenn der Landkreis keine Kliniken managen kann, wie mies managt er zum Beispiel die Schulen? Die Evangelikalen bieten sich an – sie können auch Schule. Und zwar billiger."  Aus TAZ vom 16.11.2016


ver.di lädt die Bremer Träger und die Kirche und Diakonie ein, an Tarifverhandlungen für die Altenpflege teilzunehmen, die in Niedersachsen bereits laufen.

 „Nur so hat man die Möglichkeit, den Markt anders zu regulieren.“ Private Anbieter seien dann ebenfalls gezwungen, nach allgemeingültigem Tarif zu zahlen. Solange die Diakonie in Bremen am Sonderweg der Kirche festhalte, sei das schwierig. WK 18.08.2016

 

Michael Schmidt, Mitglied der Arbeitsrechtlichen Kommission auf Arbeitgeberseite und Vorsteher der Stiftung Friedehorst in Bremen fordert laut WK im August 2016 von en Beschäftigten: Der Kinderzuschlag und die Pflegezulage sollen gestrichen werden, das Weihnachts- und Urlaubsgeld soll auf ein Viertel des Gehalts gekürzt werden, die Arbeitnehmer sollen sich an der betrieblichen Altersvorsorge beteiligen und langsamer in neue Gehaltsklassen aufsteigen. Vor allem die Mitarbeiter in der Altenpflege, in Bremen sind es etwa 550, seien von den Plänen betroffen, sagt Helmut Schümann, Vorsitzender des Gesamtausschusses der Mitarbeitervertretungen Bremen: „Im äußersten Fall heißt das ein Fünftel weniger Einkommen.“ Alle Pflegekräfte sollen zudem eine Stunde in der Woche mehr arbeiten.


Die 4.000 Beschäftigten der Bremer Diakonie fürchten eine „drastische Verschlechterung“ ihrer Löhne und Arbeitsbedingungen. In der Altenpflege könnten die Einkommen um bis zu 20 Prozent sinken.

Das planen die "diakonischen Arbeitgeber" in den gegenwärtig laufenden Tarifverhandlungen. Davor warnen die Mitarbeitervertretungen der Diakonie in einem offenen Brief, der dieser Tage die Runde macht. ... Helmut Schümann vom Gesamtausschuss der MAV – anderswo heißt das Gesamtbetriebsrat – warnt vor einem „Billig-Tarif“ in der Altenpflege und der beruflichen Weiterbildung: „Wir befürchten, dass sich damit der Pflegenotstand noch weiter erhöht.“ Die Arbeitgeber sollten ihre Forderungen deshalb zurückziehen, so Schumann....Jörn Bracker von der Gewerkschaft Ver.di will das nicht gelten lassen. Er findet die Forderung der Diakonie „sehr unchristlich“: Diese Sparpolitik sei „ein Riesen-Skandal“ – und der Verweis auf die privaten Pflegedienste ohnehin „Quatsch“, so Bracker. Er verweist auf die Assistenzgenossenschaft Bremen, einem ambulanten Pflegedienst für behinderte Menschen, der Lohnerhöhungen um mehr als 30 Prozent habe durchsetzen können. Die Kostenträger der Pflege seien laut Bundessozialgericht dazu verpflichtet, die Tarifverträge zu refinanzieren, so Bracker. TAZ vom 15.08.2016