Bezahlbarer Wohnraum ? Doppeltes Versagen von Markt und Staat.

Wenn Sie Bausenator wären, was würden Sie dann machen?

 

Joachim Barloschky: Ich würde mich darum kümmern, dass die Stadt ihre Verantwortung für ein Menschenrecht wahrnimmt, und nicht nur privaten Bauleuten und Gesellschaften dabei behilflich ist, zu bauen. Dass die Stadt nicht an die Profite der Investoren denkt, sondern daran, dass es eine kommunale Aufgabe ist, bezahlbaren Wohnraum in dieser Stadt zu bauen und zu betreiben. Wir stoßen immer wieder auf den grundlegenden Widerspruch, dass Wohnen einerseits ein Menschenrecht ist, und auf der anderen Seite Wohnungen eine x-beliebige Ware sind, mit der man Rendite, Profit machen will. Die Stadt muss selber mehr Verantwortung übernehmen. (Aus dem Interview von Kathrin Aldenhoff im WK 06.02.2016)

Foto:Joachim Barloschky,

Lehrbeauftragter an der Hochschule Bremen (Soziale Arbeit / Gemeinwesenarbeit), Quartiersmanager Bremen-Tenever 1990-2011,

Sprecher des Bremer Aktionsbündnis Menschenrecht auf Wohnen.

 

Mehr Informationen über das Thema: "Soziale Arbeit und die Wohnungsfrage" unter diesem LINK.

 


Kornelia Ahlring vom Mieterverein erklärt, warum die Mietpreisbremse nicht funktioniert.

TAZ 07.09.2018 Kornelia Ahlring im Interview:

"Das [Mietschutz-]Gesetz ist ein zahnloser Tiger. Schon die erste Mietpreisbremse hat wenig bewirkt und die Verschärfung bringt auch nicht viel. Selbst in Städten mit anerkanntem Mietspiegel haben sich die Änderungen nicht bemerkbar macht. Jeder ist froh, überhaupt eine Wohnung zu finden."

Und zu den horrenden Mieterhöhungen nach sog. "Moderniserung" sagt sie:

"In Bremen ist das besonders relevant, weil Vonovia hier gerade groß modernisiert. Man darf nach der neuen Kappungsgrenze für Modernisierungen nicht mehr als drei Euro pro Quadratmeter innerhalb von sechs Jahren erhöhen. Aber das ist schon ganz schön heftig, wenn sie noch eine Miete von sechs Euro pro Quadratmeter zahlen."


Schrumpfung des Sozialwohnungsbestands in Bremen - ein Skandal

Der SPD/Grüne Bremer Senat mästet mit seiner investorenfreundlichen Bebauungs- und Wohnungspolitik die private Wohnungswirtschaft und kaschiert es mit dem Feigenblatt einer unwirksamen Mietpreisbremse.

Die mit der Aufhebung der gesetzlichen Wohnungsgemeinnützigkeit 1989 (noch unter CDU/FDP) einsetzende deutliche Unterversorgung mit bezahlbaren Wohnungen für untere Einkommensgruppen löst das alles nicht.


Aktionsbündnis "Menschenrecht auf Wohnen"

Treffen des Aktionsbündnisses (hier):

Jeden 2. Montag im Monat 17:00 Uhr. Konsul-Hackfeld-Haus, Birkenstr. 34.  Die nächsten Termine 2018: 

1. Oktober (anderer Ort , s.u.)   5. November    3. Dezember

 

Das Treffen am 1. Oktober findet ausnahmsweise nicht im Konsul-Hackfeld-Haus statt, sondern im "Gallischen Dorf" in der Holsteiner Straß e 205a (Eingang Dithmarscher Freiheit) bei Familie Hacikerimoglu statt. Solidarität mit den Familien von Adem und Simone und Co.. Chronologie, Lehren aus drei Jahren Kampf gegen Vonovia, Erklärung der Bewohner*innen und Aktionsbündnis, Feiern und Beisammensein. Gemeinsam wollen wir Bilanz und Schlußfolgerungen ziehen des dreijährigen Kampfes der BewohnerInnen der Holsteiner Straße und Am Sacksdamm.


Für eine neue Gemeinnützigkeit im Wohnungsbereich

ANDREJ HOLM, SABINE HORLITZ UND INGA JENSEN  (Video-Stellungnahmen der Autoren*innen) kommen in ihrer von der Rosa Luxemburg Stiftung unterstützten Studie vom Mai 2017 zu dem Schluss:

Die Neue Gemeinnützigkeit im Wohnungsbereich ist machbar, sinnvoll und notwendig für die Mehrheit der Bevölkerung. (LINK zum Download der Studie)

Andrej Holm ( in DGB-WISO-Info 1/2016 ), engagierter Gentrifizierungsgegner aus Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind Gentrification, Wohnungspolitik im internationalen Vergleich und Europäische Stadtpolitik: "                                          Video: Vortrag "Mietenwahnsinn"   mit Andrej Holm


Nach den massiven Verkäufen öffentlicher Wohnungen an rabiate Investoren und Konzerne explodieren in den Städten die Mieten.

In der ver.di-PUBLIK Mitgliederzeitung 6/2018 geht Werner Rügemer auf die Folgen des von der herrschenden Politik aufgegriffenen Glaubenssatzes ein, dass der Rückzug des Staates aus der Wohnungspolitik und die Überlassung dieses profitablen Feldes den angeblichen "freien Marktkräften" der Wohnungskonzerne (VONOVIA mit 400.000 Mietwohnungen) die Lösung für die Probleme bringen könnte. Und er beschreibt, wie in Wien, wo viele alternative Lösungen suchende Wohnungspolitiker nun hinpilgern, mit einer aktiven staatlichen Schutz- und Baupolitik, die Mieten 2017 im Durchschnitt bei 5,68 Euro/qm lagen. Wien verfügt über 900.000 Wohnungen, 220.000 als direkte Gemeindewohnungen, 200.000 in gemeinnützigen Wohnungsunternehmen.

Jüngst hat - in Vorbereitung des von der Kanzlerin zusammen mit Heimat- und Wohnungsminister Seehofer einberufenen "Wohnungsgipfels"  - der wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums ein Gutachten veröffentlicht. Das Fazit dieser 38 Professoren*innen des Thurgauer Wirtschaftsinstitus an der Universität Konstanz, die trotz Finazkrise 2008-2009 an ihren alten Dogmen festhalten: "Markteingriffe sind kontraproduktiv", schafft die Mietpreisbremse und die Reste von Wohungsgemeinnützigkeit ganz ab. Einen sog. "Markt" gibt es schon längst nicht mehr, da Oligopole hier das Feld dominieren und  regelrecht gefährlich diese neoliberale Politik, die das Menschenrecht auf Wohnen mit Füßen tritt.


Die StadtWerkeBremen (SWB), ehemals städtisch, dann verhökert an die EWE - gehört zurück in Bürgerhand !

Energieversorgung zurück in die Hand der Bürger*innen

 

Nicht der Profit, sondern die Versorgung mit dem Elementarsten (z.B. Wasser) hat Vorrang, für alle, besonders für Kinder, Alte und Kranke.

 

Die Energiepreise haben sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt, die Hartz IV Sätze sind demgegenüber viel zu niedrig geblieben. Der Niedriglohnsektor nimmt laufend zu. Gas- und Wassersperren nehmen u.a. auch deshalb weiter zu. Bremen hat eine der höchsten Kinderarmuts- und Verschuldungsquoten Deutschlands. Die von der Agenda 2010 vorprogrammierte Altersarmut wirft ihre Schatten voraus - bewußt herbeigeführte Armut bei den Schwächsten der Gesellschaft. Laut Bundesnetzagentur stellten deutsche Versorger 2014 über 350.000 Haushalten den Strom ab, so vielen wie nie zuvor.

 

Der Weserkurier berichtet am 05.07.2016.                                                Die TAZ berichtet am 10.07.2016.


31 Euro/Jahr mehr Abwassergebühr für jeden Vier-Personen-Haushalt in Bremen ab 2017 - und die Profite der privatisierten Betreiber sprudeln

Der private Netzbetreiber Hansewasser machte 2014 und 2015 bei einem Jahresumsatz zwischen 85 und 88 Millionen Euro einen Gewinn von jeweils rund 20 Millionen Euro. Für die Hansewasser-Eigentümer EWE und Gelsenwasser sei das ein sehr gutes Geschäft gewesen, sie hätten eine Gewinnabführung von rund 13 Millionen Euro eingestrichen. „Da kann mir keiner erzählen, dass vor diesem Hintergrund eine Gebührenerhöhung notwendig ist“, warf Rupp [von den LINKEN) dem Senat und der rot-grünen Koalition vor. WK vom 25.01.2017


Bundesweit circa 20.000 zwischen 18- und 23-Jährige, die offen oder verdeckt obdachlos leben

TAZ 25.05.2017. "[Die Streetworkerin] fordert eine verbindliche Jugendhilfe bis zum Alter von 21 Jahren. Einmal wohnungslos und ohne Meldeadresse fühlten sich die Ämter zudem oft nicht zuständig ... der Berliner Wohnungsmarkt [gibt] nicht viel her für solche wie sie. Selbst wenn das Amt zahlt, gelten sie als unsichere Mieter. Und kommunale Wohnungen sind rar: Nach Informationen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung [in Berlin] wurden seit der Wende mehr als 310.000 Wohnungen an private Eigentümer verkauft, mehr als die Hälfte des kommunalen Bestandes. Erst seit 2015 wird der soziale Wohnungsbau wieder gefördert."


"Familienentlastungsgesetz" ? Was nützt ärmeren Familien (von Hartz IV abhängigen Kindern unter 15 Jahren, in Bremen 28.000) dieses Gesetz ?  Nichts !  Kindergrundsicherung  muss her !

Die Bundesregierung hat ein „Familienentlastungsgesetz“ auf den Weg gebracht. Danach soll der Kinderfreibetrag und das Kindergeld erhöht und ein sogenanntes Baukindergeld eingeführt werden.

 

Bei armen Kindern wird kein Cent mehr ankommen, da die Kindergelderhöhung direkt vom Jobcenter wieder abgezogen wird. Und es wird noch absurder: Die Erhöhung des Kinderfreibetrages begünstigt einseitig die steuerliche Entlastung für mehr verdienende Familien.

 

Und die ganz Reichen, z.B. die Familie Haniel, die 2015 zu den 10 reichsten Familien Deutschlands gehört ? Ohne Vermögenssteuern, bzw. sehr wenig Erbschaftssteuern, kann dieser alte Geldadel aus Kaisers Zeiten die Verkäuferinnen und Regaleinräumer der Metro AG (z.B. REAL-Märkte s.u.) ausbeuten.

 

Eine sofortige Vermögensabgabe, die Wiedereinführung von Vermögenssteuern und eine deutliche Anhebung der Erbschaftsteuern müssen die öffentlichen Kassen wieder füllen und die unsägliche Schuldenbremse überflüssig machen. Die Familienförderung muss endlich vom Kopf auf die Füße gestellt werden: Familien ohne oder mit niedrigem Einkommen müssen am stärksten unterstützt werden. Eine Bundesratsinitiative zur Einführung einer Kindergrundsicherung wäre sinnvoll.


Dramatische Armut, Zeit- und Versorgungsnot bei den 18.000 Einelterhaushalten und ihren Kindern in Bremen

TAZ 07.10.2017 : Die Bremer Arbeitnehmerkammer hat 2017 in einer Studie auf die dramatische Not der vielen Alleinerziehenden und ihrer Kinder (über 27.000 unter 15-Jährige müssen auf Hartz-IV-Niveau leben) hingewiesen, im Bundesvergleich einmalig hoch. Fehlende bezahlbare Wohnungen und fehlende (kostenlose) Krippen- und KiTaplätze werden als besondere Stress- und Armutsfaktoren benannt. Das ist komplettes Staatsversagen als Folge einer völlig verfehlten (Reiche schonenden) Steuer- und Finanzpolitik und der von allen großen Parteien als falsche Konsequenz beschlossenen Schuldenbremse.

 

"Nur 61 Prozent der rund 18.000 Alleinerziehenden im Land Bremen sind erwerbstätig, bundesweit der schlechteste Wert. 54 Prozent der Alleinstehenden mit Kind sind auf Grundsicherung angewiesen. Wenn sie zwei oder mehr Kinder betreuen, sind es sogar 80 Prozent – ebenfalls Negativrekord. Besonders erschreckend: 69 von 100 arbeitslosen Alleinerziehenden haben in Bremen keinen Berufsabschluss." Eine Ausbildungsoffensive (in Halbtagsvariante) fordert die Arbeitnehmerkammer. "Alleinerziehende fühlen sich verdrängt, gettoisiert und empfinden das auch als Stigma für ihre Kinder."


Perspektiven kritischer Sozialer Arbeit

" Soziale Arbeit gilt gemeinhin als ein Beruf für gutmütige Trottel ohne politische Urteilskraft, die nichts als „helfen“ wollen. Das Schlimme ist, dass die meisten Sozialarbeitsideologien dieses Klischee auch noch bestätigen. In der Tradition der „Fürsorgewissenschaft“ (Scherpner)  wurde Soziale Arbeit sogar als wesenhaft unpolitisch verklärt – ein Mythos, der bis heute fortlebt. Unpolitisch allerdings war Soziale Arbeit nie. Die institutionalisierte Soziale Arbeit war immer ein fester Bestandteil im Ensemble staatlicher Hegemoniesicherung. In ihrer Doppelfunktion von Hilfe und Kontrolle erwies sie sich seit jeher „als Helfersdienst für die bestehende Herrschaft“, wie Walter Hollstein bereits vor 40 Jahren treffend schrieb (ders. 1973, S. 204).

 

Zeitgleich zu der von Hollstein und anderen formulierten Kritik an der Sozialen Arbeit und ihren Ideologien entstanden im Kontext der Sozialarbeitsbewegung der 1960er und 70er Jahre aber auch Versuche, eine ganz andere, verborgene und verdrängte Traditionslinie Sozialer Arbeit wieder freizulegen. In dieser anti-hegemonialen Tradition, die von Jane Addams  über Siegfried Bernfeld, Janusc Korczak  [am 13.02.2017 wurde eine Büste vom ihm an der Bremer Stadtbibliothek eingeweiht] bis Saul Alinsky  reicht, verstand sich Soziale Arbeit immer politisch. Ihr Programm hieß nicht ‚Hilfe und Kontrolle‘, sondern soziale Gerechtigkeit. Genau an dieses ‚Projekt‘ knüpft der von Roland Anhorn, Frank Bettinger, Cornelis Horlacher und Kerstin Rathgeb herausgegebene Sammelband „Kritik der Sozialen Arbeit – kritische Soziale Arbeit“ unter veränderten historischen Bedingungen wieder an." (zitiert aus: Rezension link )

 

"Unverkennbar haben sich die neokonservativen und neoliberalen Diskurse der letzten Jahrzehnte in die Soziale Arbeit eingeschrieben und eine trübe Melange aus Hilfe-, Markt- und Strafideologie hervorgebracht. Jenseits der Menschenrechtsrhetorik bewegt sich das Professionsverständnis vieler im Sozialbereich heute wieder in den paternalistischen Bahnen klassifizierender ‚Fürsorge’ mit ihrem Vorrang des ‚Helfens’, ‚Erziehens’, ‚Integrierens’ und, wenn nötig, Sanktionierens „Unwirtschaftlicher“ und „moralisch Verwahrloster“ (Scherpner 1962, S. 138ff.). Lediglich die Semantik hat sich modernisiert. Mit der ideologischen Transformation der ‚Klienten’ in ‚Kunden’ hat sich eine vom Primat kapitalistischer Ökonomie bestimmte Dienstleistungslogik in großen Bereichen professioneller Praxis breit gemacht. In ihr werden menschliches Leid und verletzte Rechte nach Maßgabe betriebswirtschaftlicher Effizienzkriterien in einer Weise traktiert, die – wie Timm Kunstreich (2012) überzeugend gezeigt hat – wieder deutlich sozialhygienische Formen annimmt."  (zitiert aus: Zur Einführung: Soziale Arbeit Soziale Arbeit ist politisch!  Wolfram Stender/Danny Kröger )


Paritätischer: Abschaffung der Sanktionen im SGB II (Hartz IV) gefordert

Anlässlich einer Anhörung im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Deutschen Bundestages am 4. Juni 2018 spricht sich der Paritätische erneut dafür aus, die Sanktionen im SGB II abzuschaffen. Nach Auffassung des Verbandes stehen die Sanktionsregelungen nicht im Einklang mit den Zielen der Verfassung: Das staatliche gewährte Existenzminimum im SGB II steht in direktem Zusammenhang mit dem Grundgesetz und der Wahrung der Menschenwürde und darf auch nicht durch Sanktionen unterschritten werden.

Die Sanktionen sind weder geeignet, noch erforderlich oder verhältnismäßig, um das gesetzte Ziel einer Integration in Erwerbsarbeit zur Überwindung der Hilfebedürftigkeit zu erreichen. Vielmehr führen die Sanktionen in vielen Fällen zu starker materieller Bedrängnis der betroffenen Leistungsberechtigten bis hin zu existentiellen Notlagen, wie etwa Obdachlosigkeit. Dies sind äußerst negative, nicht länger hinzunehmende Folgen der bestehenden Sanktionsregelungen.

Nachdem sich schon seit vielen Jahren in der Praxis sozialer Arbeit gezeigt hat, dass Sanktionen benachteiligte Personengruppen häufiger und härter treffen, liegen nunmehr auch wissenschaftliche Erkenntnisse dazu vor, dass Sanktionen bei gering gebildeten Personen auch bei gleicher Konzessionsbereitschaft häufiger ausgesprochen werden, als bei anderen Leistungsberechtigten. Sanktionen tragen so in mehrfacher Hinsicht zur sozialen Ungleichheit bei.

 

Hier kann die ausführliche Stellungnahme nachgelesen werden. Und hier eine Literaturempfehlung dazu aus Sicht der Sozialen Arbeit: Nicolas Grießmeier: Der disziplinierende Staat. Eine kritische Auseinandersetzung mit Sanktionen bei Arbeitslosengeld II-Empfängern aus der Sicht der Sozialen Arbeit und der Menschenrechte. USP Publishing Kleine Verlag (Grünwald bei München) 2012.


Studie zur Kinderarmut in Deutschland von Prof. Dr. M. Klundt

Download
Kinderarmut in Deutschland_Studie Mai 2017_Prof. Dr. M. Klundt
"... Kindergelderhöhung, Kinderzuschlag, Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) sowie Elterngeld ... Sicher, hier wird tatsächlich Geld ausgegeben, nur erhalten die besonders Bedürftigen davon fast nichts: Kindergelderhöhungen werden zu 100 Prozent auf Hartz IV angerechnet, Elterngeld ebenfalls, der Kinderzuschlag und das BuT waren und sind weitgehend wirkungslose und bevormundende Bürokratiemonster, von deren Geld die Kinder bislang am wenigsten erhalten haben. Zu den gesamtgesellschaftlichen Ursachen gehört insbesondere die Wirtschafts- und Finanzpolitik seit der Jahrtausendwende, welche zu einer gigantischen Umverteilung von unten nach oben geführt hat."
Kinderarmut in Deutschland_Studie Mai 20
Adobe Acrobat Dokument 2.6 MB

Während die öffentlichen Hochschulen und der Studiengang Soziale Arbeit in Bremen auf Sparkurs gesetzt w(u)erden,  reanimiert der SPD-Grüne Senat die chronisch insolvente, private Jacobs University Bremen mit weiteren 45 Mio. Euro.

Ist es nicht eigentlich Aufgabe der vom Volk gewählten Vertreter*innen in der Bremer Bürgerschaft, auf die gesellschaftlichen Gesamtinteressen zu fokussieren ? Warum wurde überhaupt in den drei Legislaturperioden der SPD/CDU Koalition 1995-2007 mit Mio. Steuergeldern eine private Universität aus dem Boden gestampft, wo doch die öffentlichen Hochschulen unter jahrzehntelangem Austeritätskurs ächzten. Die Studiengänge Diplomsozialpädgagogik und Behindertenpädagogik an der Universität wurden z.B. ganz geschlossen, die Studienanfängerzahlen an der Hochschule (Stg. Soziale Arbeit) wurden von 250 auf 107 abgesenkt. Die Folgen baden wird jetzt in Form massiven Arbeitskräftemangels im Berufsfeld aus. Statt diese "Jacobs University" und ihrem nicht enden wollenden Finanzbedarf an öffentlicher Bezuschussung gleich ganz zurückzuführen in die Öffentliche Hand, wird am "Privaten" nix geändert und diese im Land der höchsten Kinderarmut in Deutschland mit weiteren Milliarden künstlich auf privater Basis weiter reanimiert.

 

Zur Entwicklung des Studiengangs Soziale Arbeit an der Hochschule Bremen unter der Kuratel von Austeritätspolitikern*innen und wachsender Drittmittelabhängigkeit, und damit reduziert auf die Logiken der späteren Anstellungsträger; hier:  Ausführliche Infos/Kritik


Freiheit der Lehre - Passé ? Über die Herabstufung des Studiums Soziale Arbeit zu einer von den Trägern bestellten dualen Berufsausbildung

Nur noch 107 Studienanfänger*innen konnten ein Studium Soziale Arbeit an der Hochschule Bremen im Wintersemester 2017/18 beginnen - vor 20 Jahren waren es noch 250 - Schuldenbremse lässt grüßen.

Die Wissenschaftssenatorin Quante-Brandt versprach 135 Anfängerplätze in der Bürgerschaft 2016. Verprach und hielt sich nicht dran.

Der steigende Fachkräftebedarf, z.B. in der Kinder- und Jugendhilfe in Bremen , erfordert schon lange eine Anhebung der viel zu niedrigen Löhne, familiengerechte Arbeitszeiten und einen Ausbau der Studienkapazitäten Soziale Arbeit. Dahingehende Anträge der Linken in der Bürgerschaft vor zwei Jahren (April und Mai 2016) wurden aber von den regierenden SPD/Grünen Parteien abgelehnt. Die Folgen baden wir jetzt aus.

 

3000 Bewerber*innen wollen jedes Jahr in Bremen Soziale Arbeit studieren und werden abgewiesen. Ein absurder Numerus Clausus von ca. 1,5 verhindert bei vielen engagierten, potentiellen Studierenden den Studienbeginn an der öffentlichen Bremer Hochschule und treibt sie zu den profitorientierten privaten Anbietern (in Bremen gibt es allein drei), die saftige Gebühren nehmen. Ein Skandal. Sowohl der öffentliche Träger (Amt für Soziale Dienste u.a.) als auch die freigemeinnützigen Träger klagen mit Recht seit Jahren über zu wenig Personal; eine qualitativ gute Erbringung sozialer Pflichtleistungen wird immer offensichtlicher gefährdet.

 

Die Verdichtung und Unterwerfung der Bachelor Studiengänge unter die Maxime des prüfungsrelevanten Stoffes (ECTS - Creditpoints-Studium), wie sie der von unternehmerischen Lobbygruppen (z.B. Bertelsmann -Stiftung)  getriebene europäische Bologna-Prozess erzwungen hat, wird hier endgültig zum Lieferdienst für von den Dienstherren passgenau bestelltes Anwendungswissen für den jeweiligen speziellen Träger. Das akademische, generalistische Studium schwindet dahin. Und zu allem Überfluss sind die "Dualen" in Bremen auch noch verbeamtete "Sozialinspektoranwärter*innen" in der ab WS 2016 für den Öffentlichen Dienst gestarteten dualen Ausbildung. Solche Ausbildungsverhältnisse gewinnen nur deshalb Attraktivität, weil hier nach dem Abbau des BAFöGs (nur noch 15% der Studierenden bekommt es) wenigstens ein garantiertes Ausbildungsentgelt gezahlt wird und bei den Trägern die schiere Verzweiflung über grassierende Personalunterbesetzung ausgebrochen ist. Aber der Preis, der dafür gezahlt wird ist hoch. Der Artikel 5 Grundgesetz: Freiheit der Forschung und Lehre wird faktisch/ökonomisch obsolet, denn für die nun dual Studierenden heißt es: "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing". Die Loyalitätsbindungen an den Hauptvertragspartner (der sog. "Praxispartner") über Arbeits- und Ausbildungsrecht üben einen immensen Druck aus. Und: Die Hochschule wird über wachsende Drittmittelabhängigkeit (für jeden dual Studierenden Soziale Arbeit bekommt sie 1.800-2.500 Euro pro Studierenden / Semester) ökonomisch immer abhängiger und so subtil auch für Studieninhalte-Umgestaltung erpressbar.

 

Es stellt sich auch die Frage, ob das nun angelaufene duale Konzept mit geplanten 40 dualen Studienplätzen (von 80 ! - ohne Hochschulpaktmittel) für den öffentlichen Dienst und große Träger der Wohlfahrtsverbände überhaupt noch den Namen reflexives STUDIUM verdient, oder ob es eher eine passgenaue BERUFS-AUSBILDUNG für das (unkritische ?) Funktionieren im JOB ist. Damit stuft sich die Hochschule Bremen aber selbst herab und innovatives, über den aktuellen Wissensstand hinausweisendes Lehren, Forschen und Handeln wird strukturell noch weiter erschwert. Ausführliche Infos/Kritik zum Thema unter diesem LINK

 

14. Mai 2018:  Fachabend unseres Bündnis´ zu oben genannten Themen

 

Ausführliche Infos/Kritik zum Thema unter diesem LINK


"Kritik ist eine Haltung - gegenüber dieser ganzen Gesellschaft". Radiointerview mit emer. Prof. Timm Kunstreich zu der (Un)Möglichkeit Kritischer Sozialer Arbeit. Ökonomisierungsprozesse sind in fast allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu beobachten und auch die Soziale Arbeit ist von diesem Phänomen nicht ausgenommen. Zwar wird im universitären Rahmen oft der Begriff der "Kritik" in den Mund genommen, wenn es darum geht die Soziale Arbeit und ihre Entwicklung zu betrachten, doch kommt diese Kritik meist ohne eine allzu deutliche Bezugnahme auf wirtschaftliche Bedingungen aus. Timm Kunstreich, Sozialwissenschaftler und Redakteur der sozialistischen Zeitschrift "Widersprüche".                                                           http://www.freie-radios.net/74714


ver.di fordert die Überleitung aller sozial Arbeitenden in den Tarifvertag des öffentlichen Dienstes, TVÖD-SuE (Sozial und Erziehungsdienst)

Diese Resolution (Download s.u.) einer verdi-Konferenz im Frühjahr 2017 in Bremen wurde im Sept. im Rahmen einer "aktiven Mittagspause" vor dem Sitz der Finanzsenatorin an Staatsekretär Lühr übergeben:

 

„Da ist mehr Drin – Gemeinsam Arbeits- und Einkommensbedingungen der sozialen Arbeit in Bremen verbessern“ - Aufwertung Sozialer Arbeit in Bremen und Bundesweit- Gleiches Geld für gleiche Arbeit! Warum gilt der Sozial- und Erziehungsdienst Tarifvertrag (TVÖD-SuE) nicht für alle?


Diskriminierung in diakonischen Sozialeinrichtungen

 

"Ziel [...] ist es, die arbeitsrechtliche Situation kirchlicher Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, insbesondere in nicht verkündungsnahen Bereichen, an die außerhalb der kirchlichen Einflusssphäre geltenden arbeitsrechtlichen Bedingungen anzugleichen."    (Koalitionsvertrag zwischen SPD und Grünen 2015 in Bremen, S. 19)

 

Es ist höchste Zeit nach 3,5 Jahren Legislaturperiode, dass die Bremer Regierungskoalition ihre eigenen Beschlüsse ernst nimmt. Die kirchlichen Einrichtungen werden nämlich zu fast 100% von Steuergeldern oder Versicherungsgeldern sehr laizistisch refinanziert. Warum lässt es also diese Landesregierung weiterhin zu, dass öffentliche Zuwendungen für offensichtlich diskriminierende Zwecke und sogar für die Erzwingung von Kirchenmitgliedschaften  missbraucht werden ?

Aus einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs zur kirchlichen Einstellungspraxis Frühjahr 2018 geht zudem hervor: Kirchliche Arbeitgeber dürfen von Bewerber/innen nur dann die Zugehörigkeit zu der entsprechenden Religionsgemeinschaft verlangen, wenn die auszuübende Tätigkeit direkt mit dem Glauben und dessen Verkündigung zu tun hat. „Bei verkündungsfernen Tätigkeiten gilt: Kirchliche Arbeitgeber dürfen bei Einstellungen ausschließlich die Qualifikation und Eignung berücksichtigen. Das ist jetzt auch gerichtlich überprüfbar", sagte Sylvia Bühler vom ver.di Bundesvorstand.

Download
Nichtkirchenmitglieder in Diakonischen Einrichtungen werden diskriminiert, ein fast feudalistischer Zopf. Diese Broschüre schildert die anachronistische Rechtsgrundlage dafür.
Die-ACK-Klausel Ungleichbehandlung von N
Adobe Acrobat Dokument 348.2 KB

Diskriminierung innerhalb der diakonischen Jugendhilfeeinrichtungen

Die Diakonische Jugendhilfe (jub), Alten Eichen, St. Petri Kinder- und Jugendhilfe und DiKiTa (Diakonische Kinderstagesstätten), mit über 500 Beschäftigten der größte Jugendhilfe-Trägerverbund Bremens, stellen seit Jahren aus Arbeitskräftemangel in großem Ausmaß Kollegen*innen ohne Kirchenzugehörigkeit (teilweise über 50% der Belegschaften) ein, diskriminieren sie dann aber in ihren Rechten massiv; ca. der Hälfte der Belegschaft wird das passive Wahlrecht für die Mitarbeitervertretung vorenthalten und auf innerbetriebliche Gewerkschaftskritik an der sog. "ACK-Regelung" wurde repressiv reagiert.

 

Die katholische Caritas hat sich (allerdings eher aus Personalnot und aus kostensparenden Gründen!) entschlossen, ihre (Sozial-)Einrichtungen zu "verweltlichen" und dort das normale weltliche Arbeitsrecht, mit der allgemein üblichen Wahl von Betriebsräten, gelten zu lassen.

 

Gewerkschaften kämpfen seit Jahrzehnten dafür, dass Beschäftigte auch in diakonischen Einrichtungen einen Betriebsrat wählen können und das verfassungsmäßig garantierte Streikrecht dort nicht eingeschränkt wird. Innerhalb der evangelische Kirche läuft als Reaktion auf den breiten Protest schon länger ein interner Streit, ob es weiterhin zeitgemäß sei, an diesen alten Zöpfen festzuhalten. Dr. Johann Daniel Noltenius (Chef der Bremer Kirchenkanzlei) meinte dazu in einer von unserem Bündnis am 17.11.2015 organisierten Podiumsdiskussion im DGB-Haus, dass alle in kirchlichen Einrichtungen Beschäftigte das Recht haben sollten, zu den Mitarbeitervertretungen zu kandidieren.


Sind die Sonderrechte der Kirchen im Arbeitsrecht noch zeitgemäß ?

 

Sind die Sonderrechte der Kirchen im Arbeitsrecht noch zeitgemäß ? Zum kirchlichen Arbeitsrecht organisierte ver.di und das Bremer Bündnis Soziale Arbeit eine moderierte Podiumsdiskussion mit Vertretern der bremischen evangelischen Kirche und Diakonie, GEW und ver.di, sowie einem Fachanwalt für Arbeitsrecht, im DGB-Haus in Bremen. Nähere Infos hier.


Neues SGB VIII - Reformierung oder Deformierung ?

Fotos von unserer Abendveranstaltung mit ca. 70 TeilnehmerInnen am 01. Juni 2017 im DGB Haus mit den beiden Referenten Dr. Wolfgang Hammer und Kolja Fuchslocher Mehr Fotos und Infos hier...

Moderation: Marie Seedorf, Einleitung: Dirk Braun und Cornelia Barth, alle drei vom Bremer Bündnis Soziale Arbeit. Mitgetragen von ver.di und der GEW.

Eine Stärkung der Kinder und ihrer Rechte fand bei der 2016/2017 geplanten und dann gescheiterten SGB VIII Novelle bei genauerem Hinsehen entweder nicht statt oder verkehrte sich sogar ins Gegenteil. Unter diesem LINK ein Artikel dazu vom 19.6.2017 in der TAZ von Dr. phil. Wolfgang Hammer, einer der beiden Referenten unserer Veranstaltung zu dem Thema am 01.06.2017., neben Kolja Fuchslocher, Referent für Kinder- und Jugendpolitik in der Fraktion DIE LINKE im Bundestag.

 

Ein breiter fachlicher Diskurs in einer Enquetekommission in der nun laufenden Legislaturperiode wäre, nach dem Scheitern des D(R)eformvorhabens, geboten. Ob die GROKO und die neue Familienministerin Franziska Giffey dazu in der Lage ist ?  Ihre Parlamentarische Staatssekretärin Caren Marks ist jedenfalls die alte geblieben - wir können nur hoffen, dass die 2016/17 auch von ihr verfolgte "Hinterzimmerpolitik" als ungeeignete Methode zur Lösung fachlicher und gesellschaftlicher Anforderungen an die Kinder- und Jugendhilfe erkannt worden ist.


Pisa-Testerei - Armutsfaktoren und mediale Verzerrung

Hohe Kinderarmut, hohe Zuwandereranteile in Bremen, sowie fehlendes Personal, unzureichende Förderung vor der Einschulung und in der Schule. Mit Pisa-Tests alleine ist den Ursachen und Konsequenzen nicht beizukommen.  Buten un Binnen vom 06.122016 berichtet über die ständige Pisa-Testerei und wie Vieles dabei hinten runter fällt. Was sich heraus schält, ist die schleichende PISA-Reduzierung auf eine sog. "Drei-Fächer Schule" (Zitat: Bildungswissenschaftler Klaus Klemm aus Essen): Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften. Eine miserable Tendenz zur Vernützlichung und Unterordnung von Bildung unter reine Verwertungsinteressen.

In der Pädagogik sollte gelten: "Das Kind darf nicht für spätere Zwecke instrumentalisiert werden, es hat hier und jetzt Würde und Eigensinn... . „Das Kind wird nicht Mensch, es ist schon ganz Mensch: das ist die Botschaft“ (Kerber-Ganse 2009: 40) [Hervorhebung d.V.]. Damit ist nicht nur gemeint, dass Kinder nicht das Humankapital einer ressourcenarmen Gesellschaft sind, sondern dass sich jede Instrumentalisierung verbietet, sei es die „präventive“ Gängelung für einen erfolgreichen Schulabschluss oder andere vergleichbare „erwachsene“ Zwecksetzungen." (Quelle: Prof. Tim Kunstreich)


Laut einer Studie duldet der Bremer Senat, dass Privatschulen sich sozial abschotten. Marcel Helbig erklärt, warum das gefährlich ist.

Interview (TAZ 13.01.2017) mit Marcel Helbig, 36, Professor für „Bildung und soziale Ungleichheit“ an der Universität Erfurt. (Auszug)

"Wozu braucht es Privatschulen?

Ursprünglich wurden sie im Grundgesetz verankert, um es reformpädagogischen und kirchlichen Schulen zu ermöglichen, auch alternative Bildungswege zum öffentlichen Schulsystem zu gehen. Heute gibt es viele verschiedene Privatschulen.

Sind die SchülerInnen an Privatschulen besser?

Die repräsentativen Studien zu diesem Thema zeigen, dass diese Schüler bei Pisa-Tests tatsächlich besser abschneiden. Wenn aber für die Herkunft statistisch kontrolliert wird, gibt es zwischen öffentlichen und privaten Schulen keinen Unterschied.

Woran liegt das?

Privatschüler profitieren von einer besseren sozialen Zusammensetzung. Dieses Markenzeichen entzieht den öffentlichen Schulen aber eben diese Schüler aus reichem Elternhause. Hätten öffentliche Schulen die gleiche soziale Zusammensetzung wie Privatschulen, dann hätten ihre Schüler auch die gleichen Kompetenzen. Führt man den Gedanken weiter, schwächen Privatschulen die Bildungschancen an öffentlichen Schulen."


Jugendamt: zu viele Fälle (ca. 70 pro MA) und Personalabwanderung

Auf Initiative der Linken war das Thema Fallzahlbegrenzung auf 28 Fälle im "Casemanagement" im Jugendamt Bremen Thema in der letzten Bürgerschaftssitzung am 30.05.2018, 90 Kollegen*innen aus dem Jugendamt saßen in der Zuschauertribüne. Personalrat Mark Birnstiel wurde interviewt:
Hier der link zum WK-Artikel

Schon vor zwei Jahren wurde auf den Missstand hingewiesen. "Während der Diskussion über das gleiche Thema am 13.12.2016 waren die Besucherreihen in der Bremischen Bürgerschaft voll besetzt, viele Mitarbeiter des Jugendamtes waren zum Zuhören gekommen. Unter ihnen war auch Mark Birnstiel [siehe Foto], der im Personalrat des Amts für soziale Dienste für das Jugendamt zuständig ist und sich als ver.di Gewerkschafter für eine bessere Bezahlung der Mitarbeiter eingesetzt hatte.

 

Obergrenze von 28 Fällen pro Sachbearbeiter

„Offen und ehrlich“ fand er die Diskussion. „Für mich interessant und neu war, dass alle politischen Parteien die Fallzahlobergrenzen für sich entdeckt haben. Daran werde ich sie als Gewerkschafter im Frühjahr erinnern.“ Die Gewerkschaft Verdi trete für eine Obergrenze von 28 Fällen pro Sachbearbeiter ein, und das sei auch seine Forderung." (zitiert aus: Weserkurier vom 14.12.2016)


Gesetzliche Fallobergrenze für die SozialarbeiterInnen des Jugendamtes

Die durchschnittlichen monatlichen Fallbelastungen lagen 2016 im Jugendamt Bremen (ca. 70 !)

A) Familienrechtssachen: ca. 7   

B) Erzieherische Hilfen: ca. 50   

C) Kinderschutzfälle: ca. 4
D) Beratungsfälle: ca. 6   (zusammen: 67)

Hinzugezählt werden müssen die Inobhutnahmen nach § 42 SGB VIII und erforderliche Leistungen nach dem SGB XII."                                                           

(Foto und Video: Bündnisaktion, Herbst 2011 vor dem Bremer Roland)

 

Die "Brandbriefe" und Überlastanzeigen der Kollegen*innen aus den sechs Bremer Sozialzentren nahmen zu. Personal-Fluktuation, Abwanderung ins besser bezahlende (TVöD SuE) niedersächsische Umland und die Abwanderung von ca. 30 Kollegen*innen ins neu geschaffene Jugendamt für minderjährige Geflohene (Fachdienst Flüchtlinge und Integration F9) hatte zu skandalösen Unterbesetzungen in den Sozialzentren geführt.

 

Dem langjährigen Kampf der Sozialarbeiter*innen nach Höhergruppierung von TVL (Tarifvertrag der Länder) EG9 auf EG 10 (wie in Hamburg ab 01.01.2012 längst erkämpft) wurde Ende 2016 endlich nachgegeben. Noch zu Beginn ihrer Amtszeit hatte die grüne Sozialsenatorin dieses Anliegen für nicht umsetzbar erklärt.


Bremens SPD-Grüne Dekonstruktion der Kinder- und Jugendhilfe

Was drei Legislaturperioden Große Koalition SPD/CDU (1995-2007) an neoliberaler Neorganisation der Sozialen Dienste nicht geschafft haben, betreibt die ab 2007 in Bremen regierende SPD/Grüne Koalition, ideologisch auf angeblich alternativlose Austeritätspolitik setzend, in ihrer 3. Legislaturperiode weiter: die Dekonstruktion der Kinder- und Jugendhilfe, die (rechtswidrig ohne Jugendhilfeplanung) nur noch unter Kostengesichtspunkten bewertet wird. Weitere Infos und Stellungnahmen zur Bremer Sozial- bzw. Jugendhilfepolitik unter diesem internen Link

Grafik: Hans Böckler Stiftung    


Offene Jugendarbeit und Jugendverbandsförderung - seit der großen Koalition in Bremen (ab 1995) das Stiefkind der Kinder- und Jugendhilfe

Als Folge von Kürzungspolitik müssen in allen Stadtteilen soziale Projekte und Einrichtungen für Familien, Kinder und Jugendliche um ihre Existenz bangen o. sogar schließen. Mehr Infos zu dem Thema unter diesem internen LINK.

Download
Stellungnahme und Forderungen des "Bündnis 30% mehr Zukunft" anlässlich der Planungen des bremischen Doppelhaushalts 2018/19 (Februar 2017)
Stellungnahme Bündnis 30% mehr Zukunft z
Adobe Acrobat Dokument 131.7 KB
Download
Sechs argumentative Tricks der Regierungspolitiker zur Fortsetzung der Kürzungen in der Jugendförderung und wie sie widerlegt werden können.
Sechs argumentative Tricks der Regierung
Adobe Acrobat Dokument 204.3 KB

Jugendliche und Sozialarbeiter*innen kämpfen 2015 in der Bürgerschaft und im Freizi Oslebshausen (Podiumsdiskussion) für ihre Forderung nach 30% mehr Geld für die offene/verbandliche Jugendarbeit.


"Eine Budgetierung von Haushaltsmitteln steht der Wahrnehmung der Gesamtverantwortung entgegen, wenn sie für die Erfüllung der [Jugendarbeit] keinen hinreichenden finanziellen Spielraum läßt." (Prof. Dr. Wiesner)

Download
JUGENDARBEIT - IST PFLICHTAUFGABE DER KOMMUNEN - Fachliche Stellungnahme des Landesamtes für Jugend ... Rheinland-Pfalz
Prof. Wiesner schreibt im Kommentar zum SGB VIII : "Eine Budgetierung von Haushaltsmitteln steht der Wahrnehmung der Gesamtverantwortung entgegen, wenn sie für die Erfüllung der Aufgaben [hier: der offenen Jugendarbeit] keinen hinreichenden finanziellen Spielraum läßt."
Jugendarbeit_Pflichtaufgabe_Stellungnahm
Adobe Acrobat Dokument 94.0 KB

Das Asylrecht kennt keine Obergrenzen - mehr Sozialarbeiter*innen braucht das Land

  • Deutlich mehr Sozialwohnungen müssen kommunal gebaut werden,
  • deutlich mehr KiTas und Schulen müssen her,
  • mehr Lehrer*innen/ Sozialarbeiter*innen müssen eingestellt werden und als Voraussetzung dafür:
  • Erhöhung der Zahl qualifizierter Studienplätze (Soziale Arbeit), Aufstockung des festangestellten Lehrpersonals

Wer "Wir schaffen das " sagt und Millionen neue Mitbürger*innen aufnimmt, der muss auch Millionen bezahlbare Wohnungen bereitstellen (nicht profitorientierten Wohnraum für Besserverdienende), den kommunalen Wohnungsbau forcieren, die soziale Infrastruktur (KiTas und Schulen) ausbauen. Schon vor Ankunft der Geflohenen herrschte hier eine Mangelsituation. - Die Reichen 1% , die sich über den Privatbesitz an Produktionsmitteln immer größere Anteile des gesellschaftlich produzierten Reichtum aneignen, müssen höher besteuert werden, mithilfe einer Vermögensabgabe, einer Millionärssteuer und der Erhöhung der Erbschaftssteuer.

 

Die deutsche Regierung fährt zudem fort, über die EU ungerechte Handelsverträge zu forcieren, die die lokale Wirtschaft vieler Länder in Afrika und im Nahen Osten zerstört. Kriegspolitik mit deutscher Beteiligung (ohne UNO-Mandat wie in Afghanistan und Syrien) löst die Flüchtlingswellen teilweise selbst mit aus.


Unsere Tagung (25.02.2015) über die Folgen neoliberaler, neoklassischer bzw. neosozialer Politik auf "das Soziale".

 

Hier ein Link zu einem Video von der Begrüßung und dem Vortrag von  Prof. Butterwegge (ab Min 9:08) am 25.02.2015

 

"Das Soziale bezeichnet kein definierbares Ideal, sondern dient heute nur mehr dazu, die Regeln der freien Gesellschaft, der wir unseren Wohlstand verdanken, ihres Inhalts zu berauben."

So schreibt der klassische wirtschaftsliberale Friedrich August von Hayek  (1899-1992), Gründer der "Mont Pelerin Society" 1947, in "Wissenschaft und Sozialismus", Tübingen 1979.

 

Die Disziplin und die Profession Soziale Arbeit und Sozialpädagogik ist infiziert muss sich kritisch auseinandersetzen mit dieser "neoklassisch" oder "neosozial" benannten und inzwischen hegemonialen Ideologie. Darin wird Soziales, bzw. Sozialpolitik nicht mehr als Umverteilung mit Rechts- und Sozialversicherungsanprüchen für mehr soziale Gerechtigkeit betrachtet, sondern als "Top-Down-Investition in Humankapital", die sich "rentieren" müsse. Von den Empfängern*innen (vom "Klient" zum "Kunden" mutiert) dieser "Investition", wird seit den 1990er Jahren zunehmend erwartet, dass sie ihr (nun nicht mehr von den Verhältnissen herbeigeführtes sondern angeblich selbstverschuldetes) Verhalten ändern, damit sich die "Investition auch rentiert". Tun sie dies nicht, werden sie mit "schwarzer Pädagogik" (Sanktionen) bestraft, bis hin zum totalen Entzug der "Investition" und sozialer Ausschließung in die Kategorie der "undeserving poor" (Arme, die es nicht verdient haben, unterstützt zu werden).

 

Dieses neue Paradigma unterstellt eine grassierende “Unterschichtenmentalität” mit Symptomen wie Faulheit und Passivität. Angeblich trage der (alte) Sozialstaat an der Erzeugung dieser "Faulheits"-Mentalität schuld, weil er die Menschen von sich abhängig mache und ihre "Eigeninitiative" zerstöre. (vgl. Prof. Kessl in seinem Vortrag und Buch: Erziehung zur Armut? Soziale Arbeit und die "neue Unterschicht" (2007))

 

Ausschließende und punitive (bestrafende) Aspekte in der Sozialen Arbeit nehmen zu. Lehrende, Studierende und Praktiker*innen tendieren allzu oft dazu, die Indienstnahme durch die Strukturprinzipien der vom neosozialen Paradigma geprägten Institutionen, innerhalb derer sie agieren müssen, zu verdrängen. Der 9. Bundeskongress Sozialer Arbeit in Darmstadt im Herbst 2015 hat sich mit diesem Paradigmenwechsel befasst unter dem Titel: "Politik der Verhältnisse, Politik des Verhaltens – Widersprüche in der Gestaltung Sozialer Arbeit". In der Dokumentation des 9. Bundeskongresses sind die Beiträge nachzulesen.

Ausführliches Programm/Dokumente zu der Tagung und ein Exkurs zur Geschichte des Neoliberalismus finden sich unter diesem internen LINK.


Fachtagung: Kritik der Sozialraumorientierung

Vor dem Hintergrund des 3-jährigen Modellprojekts ESPQ in Bremen-Walle (von der Uni Halle wissenschaftlich begleitet) findet seit Ende 2014 der "Transfer" der Kosten einsparenden "Ergebnisse" ("Rendite") auf alle Bremer Sozialzentren (6 regionale Jugendämter) statt. Unser Bündnis hat den Abschlussbericht des Modellprojektes Ende 2015 zum Anlass genommen, im März 2016 eine längere kritische Stellungnahme zu verfassen. Unter diesem Link zu finden.

 

Vom AKS (Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit) in Kooperation mit unserem Bündnis und BISA+E wurde die Fachveranstaltung "Kritik der Sozialraumorientierung" am 9.12.2014 organisiert. Ca. 60 Interessierte: Professoren*innen, Studierende der Sozialen Arbeit aus Bremen, Oldenburg, Berlin, Hamburg, Hannover und Duisburg; Praktiker aus dem Jugendamt und freien Trägern in Bremen, Hamburg und Aurich; engagierte Kollegen aus Personal-/Betriebsräten und Gewerkschaften (ver.di, GEW, DBSH) hatten sich eingefunden.

 

Referentin: Maren Schreier. Titel ihres Vortrages: "Soziale Arbeit und die Faszination Sozialraum"

M.A. Social Work, Diplom-Sozialarbeiterin;  GWA/ Quartiersmanagement (2001-2008 HB-Tenever); seit 2004 Freiberuflerin im Wissenschaftsbereich. Lehre und Forschung u.a. am BISA+E, an der Hochschule Bremen sowie an der FHS St. Gallen (CH).

 

Referent: Prof. Hubert Höllmüller, FH Kärnten (Österreich) Titel seines Vortrages: "Sozialraumorientierung konkret - das Grazer Modell von unten betrachtet".


Die Würde in der Sozialen Arbeit ist (un)antastbar ?!

 2. Fachtag des Bündnis´ am 14. März 2014  im DGB-Haus

mit zwei Hauptreferaten und ca. 120 Zuhörer*innen.

 

1. Vortrag: "Im Mittelpunkt der Mensch ? Anfragen an eine Ethik der Sozialen Arbeit." Prof. Dr. phil. Joachim Söder, Aachen.

 

2. Vortrag: "Parteilichkeit und Soziale Arbeit im Interesse der Menschen – ist sie heute (noch) möglich ?" emer. Prof. Dr. Mechthild Seithe, Berlin

 

Der Philosoph Dr. Joachim Söder von der Katholischen Hochschule Aachen wies in seinem packenden Vortrag auf die in der Rechtsprechung bedeutsame neue Kommentierung des Grundgesetzes von 2001 hin. Von der Öffentlichkeit und leider auch der Wissenschaft fast unbemerkt, ist durch diese Kommentierung, an der maßgeblich auch der ehemalige ("Ruck"-)Bundespräsident Roman Herzog (CDU) beteiligt war, der Versuch unternommen worden, die unantastbare Menschenwürde als zentrale ethische Handlungsleitlinie des Grundgesetzes an Bedingungen zu knüpfen und damit verhandelbar zu machen. Z.B. auch von Haushaltsnotlagen und den parlamentarischen Mehrheiten abhängig zu machen ? Das gibt zu denken, wenn für ein von "den Märkten" und ihren politischen  Verfechtern diktiertes Lohnsenkungs-Gesetz (Hartz IV mit seinen entwürdigenden Sanktionen) unsere Verfassung "kompatibel gemacht" wurde und wird.


Miserable Arbeitsbedingungen in der Sozialen Arbeit

 1. Fachtag des Bündnis´ am 3.11.2011

zu den "Arbeitsbedingungen in der Sozialen Arbeit" mit 200 Teilnehmern*innen   

Eine Videozusammenfassung dazu unter diesem link


Bedingungen kritischer Sozialer Arbeit    Prof. Frank Bettinger

Auszug: "So dominieren und strukturieren einerseits gesellschaftliche, rechtliche, politische, ökonomische Vorgaben und Funktionszuweisungen die Praxis der Sozialen Arbeit, während andererseits sozialpädagogische Praktikerinnen und Praktiker (aber ebenso in den relevanten Studiengängen tätige Multiplikatoren) sich regelmäßig diesen fremdbestimmten Vorgaben und daraus resultierenden Aufgaben- und Funktionszuweisungen klaglos, ja in vorauseilendem Gehorsam, unterwerfen, und dabei nahezu ausschließlich die Wissensbestände und Wahrheiten zur Kenntnis und somit zur Grundlage ihres Handelns nehmen, die mit den tradierten Evidenzen und vor allem den Erwartungen politischer Entscheidungsträgerinnen und Geldgeber kompatibel erscheinen."   Link zu dem vollständigen Beitrag von Prof. Frank Bettinger

 

Link zu einem video mit dem Vortrag von Prof. Frank Bettinger am 03.11.2011 (ab Min 8:45)


* Das Zitat neben unserem LOGO stammt aus unserem Positionspapier vom Februar 2012

Hinweis: Bei Anklicken der Buttons von facebook, twitter, googleplus u.a. werden persönliche Daten weitergegeben.