Care Revolution - Schritte in eine solidarische Gesellschaft

Viele Menschen geraten beim Versuch, gut für sich und andere zu sorgen, an die Grenzen ihrer Kräfte. Was als individuelles Versagen gegenüber den alltäglichen Anforderungen erscheint, ist jedoch Folge einer neoliberalen Krisenbearbeitung. Notwendig ist daher ein grundlegender Perspektivenwechsel – nicht weniger als eine Care Revolution.

Gabriele Winker entwickelt Schritte in eine solidarische Gesellschaft, die nicht mehr Profitmaximierung, sondern menschliche Bedürfnisse und insbesondere die Sorge umeinander ins Zentrum stellt. Ziel ist eine Welt, in der sich Menschen nicht mehr als Konkurrent_innen gegenüberstehen, sondern ihr je individuelles Leben gemeinschaftlich gestalten.

Gabriele Winker, Prof.in an der TU Hamburg-Harburg


"Caliban und die Hexe" von Silvia Federici

Hexenverbrennung und die ursprüngliche Akkumulation

„Es steht jedenfalls außer Zweifel, dass Frauen im Zuge des ¸Übergangs vom Feudalismus zum Kapitalismus' einen einzigartigen Prozess der Degradierung erlitten, der für die Akkumulation des Kapitals von grundlegender Bedeutung war und bis heute geblieben ist.“ (S. 91)

Was Federici daraufhin beschreibt, ist eine massive Disziplinierung mit dem Ziel, die „Gebärmutter“ zu kontrollieren, um die Zeugung „unmittelbar in den Dienst der kapitalistischen Akkumulation“ zu stellen (S. 109). Diese Kontrolle ging mit einer rigorosen Kriminalisierung der Verhütung und einer fast vollständigen „Domestizierung“ der Frau einher. Damit korrespondierte am Ende des 17. Jahrhunderts zudem ein „neues Modell der Weiblichkeit [...] die ideale Frau und Gattin – passiv, fügsam, sparsam, wortkarg, stets beschäftigt und keusch“ (S. 127).                                                                                                                                        Zitiert aus dieser Rezension.


Neues Buch von Christoph Butterwegge: ARMUT

»Armut« ist ein brisanter, weil politisch-normativer, emotional besetzter und moralisch aufgeladener Begriff. Christoph Butterwegge diskutiert den Armutsbegriff, wirft einen Blick auf die Geschichte der Armut und vermittelt die theoretischen Grundlagen.

 

Er stellt die Hauptrichtungen der Armutsforschung vor, erläutert die gängigen Methoden der Armutsmessung und hinterfragt die statistische Datenlage, wie sie die Armuts- und Reichtumsberichte der Bundesregierung dokumentieren.

Bedingungsloses Grundeinkommen? 

 

Finnland und die Niederlande wollen es 2017 einführen, auch in Deutschland gibt es Befürworter. Der Armutsforscher Christoph Butterwegge warnt davor. Es werde den Kündigungsschutz aushebeln und den Sozialstaat zerschlagen, sagt er dem 3sat-Wirtschaftsmagazin makro.

Zitat aus dem Interview: "...nicht zufällig gehören namhafte Unternehmer und Spitzenmanager großer Konzerne wie der Telekom und der Post zu den Verfechtern eines bedingungslosen Grundeinkommens. Denkt man die Grundeinkommenslogik zu Ende, könnten schließlich alle übrigen Sozialleistungen abgeschafft und alle sozialpolitisch motivierten Regulierungen des Arbeitsmarktes gestrichen werden.
Es gäbe womöglich keinen Schutz vor Kündigungen mehr, sondern bloß noch betriebliche Abfindungsregeln. Flächentarifverträge erscheinen vor diesem Hintergrund genauso entbehrlich wie Mindestlöhne. Auch müssten die Unternehmer nicht mehr viel 'oben drauf' legen, um Arbeitskräfte zu rekrutieren. Denn die Menschen arbeiten ja nicht bloß des Geldes wegen, da haben die Grundeinkommensbefürworter durchaus recht, sondern auch, um einen Lebenssinn zu finden, sich nützlich zu machen und etwas für die Gesellschaft zu tun. Das bedingungslose Grundeinkommen wäre gewissermaßen ein Kombilohn für alle Bürger, so wie Hartz IV ein Kombilohn für 1,2 Millionen Aufstockerinnen und Aufstocker ist."

 

Video veröffentlicht am 28.01.2016. Der Armutsforscher Christoph Butterwege beschreibt den wahren Charakter von Hartz IV - als den einer Art vorsätzlich eingezogener Betondecke zwischen Oben und Unten - zu dem Zwecke, die Güter der Reichen weiter zu vermehren, auf Kosten derer von ganz Unten - wohin man mittlerweile auch noch sehr schnell fallen kann. Denen von Unten wird zudem so gut wie jede Hoffnung genommen und auch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verwehrt - in dem rein rechnerisch so unendlich reichen Deutschland.   Eine engagierte Rede.

Die europäische Union -  von Andreas Wehr

Andreas Wehr beschreibt die Europäische Union als ein fragiles Bündnis. In ihm dominiert das Machtstreben der großen Mitgliedstaaten. Unter ihnen gibt ein erstarktes Deutschland den Ton an. Unter seiner Führung entwickelt sich ein wirtschaftlich starkes Kerneuropa, umgeben von einer schwachen Peripherie. Der Band teilt die Geschichte der EU in drei Abschnitte: Die ersten Jahre waren geprägt von einem nur langsamen Voranschreiten der Integration, unterbrochen von langen Phasen der Stagnation. Mit dem Vertrag von Maastricht 1992 nahm die Integration an Fahrt auf. Im Zuge des globalen Neoliberalismus wurde die EU zum wichtigsten europäischen Akteur bei der Durchsetzung von Marktöffnungen, Privatisierungen und Deregulierungen. Dies gipfelte in der Forderung, sie zum »wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Wirtschaftsraum in der Welt« zu entwickeln. Das wurde bisher verfehlt. So ist denn die dritte Phase eine solche der Rückschläge. Zu ihr gehört auch die gegenwärtige Eurokrise, deren Ende ungewiss ist.

Andreas Wehr, *1954. Jurist, wissenschaftlicher Mitarbeiter der »Konföderalen Fraktion der Vereinten Europäischen Linken / Nordische Grüne Linke« im Europäischen Parlament.


Ulrich Schneider: Kein Wohlstand für alle !? Wie sich Deutschland selber zerlegt und was wir dagegen tun können - erschienen Februar 2017

"Liest man das Buch, dann merkt man sehr schnell, dass es Schneider nicht nur um die gut 15 Prozent der Bevölkerung geht, die in Deutschland als arm gelten, sondern auch um jene rund 40 Prozent der Bevölkerung, die von der „Hand in den Mund“ leben, weil sie keine Ersparnisse bilden können, um die Leiharbeiter mit befristeten Arbeitsverträgen oder all jene mit brüchiger Erwerbsbiographie, die später einmal von Altersarmut bedroht sind. Schneider sieht das Land aber nicht nur sozial, sondern auch regional gespalten. „Es gibt mittlerweile Regionen wie Bremerhaven oder Gelsenkirchen mit Hartz-IV-Quoten unter den Kindern von über 40 Prozent – eigentlich unvorstellbar“, schreibt er.

Die zunehmende soziale Ungleichheit ist freilich kein Zufall, sondern „ins Werk gesetzt von Lobbyisten“. Diese hätten den „sukzessiven Rückzug des Staates aus seiner sozialstaatlichen Verantwortung“ vorangetrieben. Den Startpunkt dieser Entwicklung sieht Schneider Anfang der 80er Jahre in der Angebotspolitik des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl, die 1998 von SPD und Grünen nicht nur nahtlos fortgesetzt, sondern sogar noch forciert werden sollte. „Die Antwort der rot-grünen Bundesregierung fiel nach mittlerweile bekanntem angebotspolitischem Muster aus – nur viel brachialer als unter Helmut Kohl“, schreibt Schneider. Er zählt auf: die Senkung des Spitzensteuersatzes von 53 auf 42 Prozent, die Senkung der Körperschaftsteuer, die Steuerbefreiung beim Verkauf von Unternehmensbeteiligungen, die Demontage der gesetzlichen Rente, die Agenda 2010." (Quelle)


Roman von Mechthild Seithe zur Lage der Kinder- und Jugendhilfe

Wenn wieder mal ein Kind durch Gewalt oder Vernachlässigung zu Tode kommt, fallen alle über die Jugendhilfe her: „Skandal! Die Jugendhilfe hat mal wieder versagt!“

Dieser Roman handelt von den eigentlichen Skandalen unserer Jugendhilfe.

 

 

 

 

Der Roman "Zum Wohle" ist erschienen im Februar 2017. Bestellung möglich unter: zumwohle.roman@gmx.de


No Is Not Enough: Resisting Trump's Shock Politics and Winning the World We Need - Naomi Klein (Aug. 2017)

Wie konnte es dazu kommen, dass Donald Trump Präsident der USA wurde? Der mit »alternativen Fakten« gegen Einwanderer, gegen Frauen, gegen Wissenschaft, gegen Pressefreiheit hetzt und seine populistische Agenda schamlos durchsetzt? Überzeugend zeigt Naomi Klein, dass Trump weder aus dem Nichts aufgetaucht ist noch ein politischer Unfall ist. Seine Wahl ist die konsequente Fortsetzung einer Entwicklung, die schon vor Jahren begann. Trump ist Agent eines ungezügelten Kapitalismus, zunehmender Ungleichheit, zunehmenden Rassismus und Protektionismus. Um gegen seine perfide Strategie der Schock-Politik anzugehen, braucht es mehr als Wut und Protest.
Aus ihrer messerscharfen Analyse entwickelt die bekannte Aktivistin und Bestsellerautorin Naomi Klein eine ganz konkrete, optimistische Strategie des neuen Widerstands.


"Freizeit ohne Kontrolle" - die Jugendzentrumsbewegung der 1970er  Jahre von  David Templin

"David Templin hat in seinem Buch „Freizeit ohne Kontrolle“ die Geschichte dieser [der Jugendzentrums-] Bewegung aufgearbeitet. „Tausende junger Aktivistinnen und Aktivisten sind damals auf die Straße gegangen und haben sich für einen Ausbau der offenen Jugendarbeit engagiert“, sagt der 33-jährige Hamburger. Zwischen 1972 und 1976 seien viele selbstverwaltete Zentren gegründet worden. Häufig sei das Experiment allerdings gescheitert. „Viele Jugendliche kamen in die Einrichtungen, um sich einfach nur mit Gleichaltrigen zu treffen und Musik zu hören. Die Initiatoren waren überfordert und sahen sich konfrontiert mit Angriffen aus Politik und Medien.“ ... Von der Vahr über das Viertel und die Neustadt bis nach Seehausen gründeten sich in den 70er-Jahren Initiativen und oft auch selbstverwaltete Jugendclubs. In mehreren Stadtteilen kam es zu Hausbesetzungen, beispielsweise im Juni 1971 im Fedelhören und 1973 Auf den Häfen 30/32 – der heutigen Geschäftsstelle der AWO." (Weserkurier 10.11.2016) Mehr Infos dazu auch im Bremer Archiv der sozialen Bewegungen auf www.archivbremen.de


Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung ... was wir von Smith, Marx und Keynes lernen können. Ein neues Buch von Ulrike Herrmann

"Die Neoklassik dominiert heute alle Lehrstühle. Leider tut dieser Ansatz so, als würden wir in einer fiktiven Tauschwirtschaft wie im Mittelalter leben. Das ist kein Witz. Konzerne, Maschinen, Investitionen oder Kredite spielen in dieser Theorie keine zentrale Rolle. Selbst Gewinne und Geld fehlen." ... "Die letzte Finanzkrise hat weltweit Billionen gekostet. Dieser Crash wurde nur möglich, weil Krisen in der Neoklassik nicht vorkommen. Daher muss man zu Smith, Marx und Keynes zurückkehren, wenn man verstehen will, wie der real existierende Kapitalismus funktioniert." (Rezension des neuen Buches von Ulrike Herrmann)


Unterwerfung als Freiheit - Leben im Neoliberalismus - Patrick Schreiner

Weit über Politik und Wirtschaft hinaus hat sich der Neoliberalismus längst im Alltagsleben der Menschen verankert. Patrick Schreiner befasst sich mit seinen unscheinbaren, vermeintlich unpolitischen Erscheinungsformen. Er fragt nach den alltäglichen Mechanismen, durch die Menschen neoliberale Ansätze und Ideen als gut, angemessen und alternativlos akzeptieren. Dazu nimmt er das Bildungswesen, Ratgeberliteratur und Management-Trainings, Esoterik, Sport und Fitness, Stars, Fernsehformate wie Reality-TV und Seifenopern, Soziale Netzwerke im Internet sowie Konsum und Lifestyle in den Blick. An diesen Beispielen zeigt er, wie und weshalb der Neoliberalismus das ganze Sein und Denken der Individuen vereinnahmt. Und nicht zuletzt legt er dar, welche Folgen all das für den Einzelnen wie für die Gesellschaft hat. Dabei wird deutlich: Neoliberalismus ist mehr als Marktradikalismus und Dominanz von Kapitalinteressen. Neoliberalismus ist eine Ideologie, die Freiheit verspricht, aber Elend und Unterwerfung bedeutet.                                   Link zum Verlag

 

»Patrick Schreiner … zeigt, wie weit die neoliberale Ideologie mittlerweile in Alltag und Gesellschaft vorgedrungen ist. … Wer sich kritisch mit dem Neoliberalismus auseinandersetzen will, kommt an diesem Buch, das ausgesprochen gut und leicht lesbar ist, nicht vorbei. Es ist die beste Grundlage, um die nach wie vor ungebrochene Hegemonie des Neoliberalismus zu versehen.«
(Kai Eicker-Wolf, in: Erziehung und Wissenschaft, GEW) 
 

Patrick Schreiner, * 1978, Politikwissenschaftler, hauptamtlicher Gewerkschafter und Publizist. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Finanz- und Wirtschaftspolitik, Verteilung und politische Theorie.


Der Anbruch des Neoliberalismus. Westdeutschlands wirtschaftspolitischer Wandel in den 1970er-Jahren

Müller, Sebastian (2016), Promedia

 

Auszug (Quelle): "Sebastian Müller schildert die Geschichte einer Konterrevolution, die für den Großteil der deutschen Bundesbürger unbemerkt vonstatten ging: Es ist die Rede vom Aufstieg des Neoliberalismus im Westdeutschland der 1970er-Jahre. Dieser ökonomische Umbruch, vom Liberalen Ralf Dahrendorf 1983 als „Ende des sozialdemokratischen Jahrhunderts“ beschrieben, blieb den meisten Zeitgenossen verborgen. Erst ab den 2000er-Jahren wurden die Konsequenzen unmittelbar deutlich und wirken bis heute nach.

Die Wurzeln des kontroversen und mystifizierten Kampfbegriffes „Neoliberalismus“ reichen weit in die 1940er-Jahre zurück. Aus Sicht seiner geistigen Väter war die Welt seit dem „New Deal“ Roosevelts aus den Fugen geraten. In der Nachkriegszeit hatten sich keynesianistische Wohlfahrtstaaten etabliert, ein Teil der Welt war realsozialistisch geprägt und in Westeuropa erstarkte nicht nur die Sozialdemokratie, sondern im Zuge der 1968er-Bewegungen auch der Neomarxismus.

Mit der ersten Ölpreiskrise 1973 sollte sich das Blatt wenden. Eine nach wirtschaftstheoretischer und gesellschaftspolitischer Vorherrschaft strebende Ideologie erhielt ihr realpolitisches Antlitz, international geprägt durch die radikalen „Reformen“ der Ära Reagan–Thatcher."


Die Hartz IV Diktatur, Inge Hannemann

 

Hätte mir jemand noch vor wenigen Jahren gesagt, dass ich einmal für viele Menschen zum Hoffnungsträger werden sollte, dann hätte ich ihn ohne zu zögern für verrückt erklärt. Schließlich bin ich weder Jeanne d’Arc noch ein weiblicher Robin Hood, sondern einfach Inge Hannemann. Ich bin nicht besonders groß und bringe gerade mal 50 Kilogramm auf die Waage, habe seit meinen Kindertagen Rheuma, als Folge davon eine kaputte Schulter und eine versteifte Wirbelsäule, um nur einige meiner gesundheitlichen Einschränkungen zu nennen. Und dennoch habe ich einen Kampf angenommen, den ich zwar nicht suchte, den ich aber durchaus bereit bin auszufechten.                                                                              Rowohlt Verlag 2015


Seit meine Vorgesetzten beim Jobcenter von Hamburg-Altona beschlossen haben, dass die selbstverständlichsten Grundrechte der freien Meinungsäußerung für eine Arbeitsvermittlerin nicht gelten, gab es für mich im Grunde keine Wahl. Weil ich nicht bereit war, den Mund zu halten und gegen meine Überzeugung Dienst nach menschenverachtenden und kontraproduktiven Vorschriften zu machen, hat man mich vom Dienst freigestellt. Ich wurde von meiner Stelle als Arbeitsvermittlerin im Jobcenter Hamburg-Altona bei vollen Bezügen nach Hause geschickt, weil ich Menschlichkeit gepaart mit Sachverstand im Umgang mit Arbeitssuchenden angebrachter und wirkungsvoller fand als Sanktionen oder zu erfüllende Quoten. Warum sollte ich Menschen durch Mittelkürzungen bestrafen, die ohnehin ganz unten auf unserer sozialen Skala angekommen waren? Menschen, die vor der großen sogenannten Sozialreform durch unseren früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder, der Agenda 2010, mit großer Wahrscheinlichkeit gar nicht erst in diese Lage gekommen wären. Menschen, die verzweifelt sind, die Hilfe und Verständnis brauchen und lösungsorientierte Jobcentermitarbeiter statt Drohung und Bestrafung. Menschen, denen durch Mittelkürzungen oftmals noch das letzte Stück Boden unter den Füßen weggezogen wird. Als Arbeitsvermittlerin wurde ich viel zu oft Zeugin von Willkür und Machtmissbrauch diesen Menschen gegenüber. Denn wie soll man es anders nennen, wenn beispielsweise einer Familie, die der deutschen Sprache nicht mächtig ist, ein elektronisch erstellter Brief geschickt wird, in dem ihnen in zwei kurzen Sätzen mitgeteilt wird, dass ihr Sohn sanktioniert wird und das Arbeitslosengeld II für drei Monate vollständig entfällt? Ohne eine Begründung, ohne Änderungsbescheid, ohne Anhörung und ohne die Möglichkeit, Rückfragen zu stellen oder Widerspruch zu erheben, ist ein solches Verfahren nichts anderes als Willkür. Ich für meinen Teil kann aber die herabwürdigende Art und Weise, mit der in den Jobcentern in vielen Fällen mit den sogenannten «Kunden» umgegangen wird, nicht tatenlos mit ansehen.


Kriege im 21. Jahrhundert. Neue Herausforderungen der Friedensbewegung.

Die Friedensbewegung in der Bundesrepublik steht vor riesigen Herausforderungen. Militärisches Denken erobert Schulen, Forschungseinrichtungen und Redaktionen. Die kriegerische Mobilmachung Europas beginnt innerhalb der Mitgliedsstaaten, wenn jugendliche Massen arbeitslos sind, und nach Außen hin bei der Abschottung gegen Flüchtlinge. Sie stützt sich geopolitisch auf das transatlantische "Bündnis" mit den USA, auf neue Waffen- und Überwachungssysteme, auf Destabilisierung, Sanktionen und den so genannten Freihandel. Waffen und Kriegsmaterial werden bedenkenlos in Krisengebiete exportiert. Deutsches Militär, wieder auf fremdem Boden, stellt sich angeblich der "Verantwortung" für Menschenrechte.


Die Friedensbewegung stellt sich dieser Entwicklung in den Weg durch Berufung auf das Völkerrecht; durch das Erkennen des Zusammenhangs von Katastrophen, Kriegen und Kapital; durch Kritik, Protest und praktischen Widerstand.

 

380 Seiten, ISBN: 978-3-933264-77-0 Sonnenberg Verlag, 2015

Rudolph Bauer: Friedenspolitische Reihe. Band 01, Sammelband zur Antikriegskonferenz in Berlin, mit Beiträgen von: Prof. Dr. Rudolph Bauer (Bremen), Volker Eick (Berlin), Julian Firges (Kassel), Dr. Rolf Gössner (Bremen), Prof. Dr. Franz Hamburger (Mainz), Prof. Dr. Peter Herrmann (Rom), Claudia Holzner (Kassel), Prof. Dr. Sönke Hundt (Bremen), RA Otto Jäckel (Berlin), MdB Ulla Jelpke (Berlin), Dr. Matthias Jochheim (Frankfurt/Main), Prof. Dr. Hans-Jörg Kreowski (Bremen), Dr. Günter Rexilius (Mönch.gladbach), Helmuth Riewe (Ganderkesee), Michael Schulze von Glaßer (Kassel), Prof. Dr. Jörg Wollenberg (Bremen) .


Rudolph Bauer und Hartmut Drewes: Broschüre "Rüste-Wüste"

 

Vor einem Jahr haben Rudolph Bauer und Hartmut Drewes eine neue Broschüre des Bremer Friedensforums in der Hansestadt vorgestellt. “Rüste-Wüste” zeigt militarismuskritische Montagen des Bremer Politikwissenschaftlers Rudolph Bauer. Der Titel nimmt Bezug auf den expressionistischen Maler und Dichter Otto Nebel, der den Ersten Weltkrieg an den deutschen Fronten im Osten und Westen erlebte und 1926 die Schrift “Rüste-Wüste” veröffentlichte.

Rudolph Bauer versteht seine militarismuskritischen Bild-Montagen als Versuch, auf künstlerische Weise die Schrecken des Krieges und den Prozess der Militarisierung in das “visuell zugemüllte” Bewusstsein zu rufen. Bauer war bis 2002 Professor an der Universität Bremen und Sprecher des Instituts für Lokale Sozialpolitik und Nonprofit-Organisationen. Als Mit-Initiator der bundesweit beachteten “Erklärung Bremer Hochschullehrer und Wissenschaftler zu Stiftungsprofessuren” positionierte er sich für die Zivilklausel und gegen die um sich greifende Militärforschung an den Universitäten und Hochschulen.

Hartmut Drewes ist Pastor im Ruhestand, zuvor war er 28 Jahre in der Evangelischen Gemeinde Bremen-Oslebshausen tätig, seit Jahrzehnten ist er aktiv in der Friedensbewegung, in der antifaschistischen und internationalen Solidaritätsarbeit. Seit dem Jahr 2000 engagiert sich Hartmut Drewes als einer der Sprecher des Bremer Friedensforums.

Die Broschüre “Rüste-Wüste steht jetzt zum Download. Die Print-Ausgabe ist erhältlich beim
Bremer Friedensforum, Goetheplatz 4, 28203 Bremen, Telefon 0421-396 1892
oder in der Buchhandlung Leuwer, Am Wall 171 und bei den Donnerstag-Mahnwachen auf dem Marktplatz (17 bis 18 Uhr). Bestellungen werden auch per E-Mail info@bremerfriedensforum.de entgegengenommen.


Erzählband 'Vier Stufen' - 28 Geschichten über die Liebe und andere Seltsamkeiten

Erzählt wird von Migranten, Flüchtlingen, von Kindern und Alten, von Liebenden, von Menschen, die Nähe und Geborgenheit suchen. Sozialpädagogin Ulrike Kleinert, die in ihrem Schreiben stets auf der Seite derer stand, die am Rand der Gesellschaft standen, sich für deren Rechte eingesetzt und gekämpft hat, nimmt uns mit zu den Menschen, denen auch wir im Alltag begegnen. Die Figuren ihrer Geschichten kommen uns allesamt seltsam bekannt vor. Die Geschichten erzählen von ihren Irrwegen, von Träumen und von Hoffnungen und sie erzählen von der Kraft, im Alltag nicht unterzugehen.

 

Ulrike Kleinert, 1955 geboren, aufgewachsen in einem kleinen Dorf in der Nähe Bremens, von Beruf Sozialpädagogin, eine Tochter. Ihre literarische Biografie ist zugleich eine politische Biografie dieser Stadt, der sie in ihren Werken oft genug eine Liebeserklärung setzt. Werkkreis Literatur der Arbeitswelt, Bücher­frauen, Gewerkschaftsbewegung. In Lyrik und Prosa begleitet sie Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, setzt sich für deren Rechte ein.

Ihr Buch "Vier Stufen" ist im Geest-Verlag erschienen.


Im Schatten der Schwebefähre

Den ersten Vollrausch erlebt Johannes in einer Zeit, in der das Wort „Komasaufen“ noch keine Bedeutung hatte. Der damit beginnende jahrelange Abstieg ist jedoch bedrückend zeitgemäß. Ungeschminkt und beklemmend werden die würdelosen Abgründe der Sucht zwischen Selbstbetrug und Lügen, zwischen Hochstapelei und Angst vor Entdeckung, zwischen Verzweiflung und Scham aufgezeigt..."                                                                     Südwestbuch-Verlag 2015 ISBN: 978-3-944264-87-5

 

Auszüge aus der WEB-Seite des Autors Wilfried Stüven :  http://wilfried-stueven.de/

Der Autor wurde im August 1953 in Sichtweite der Schwebefähre in Osten/Oste geboren...Nach bewegten Studentenjahren in Marburg/Lahn (Studium der Sonderpädagogik) – es war nicht einfach, sich daran zu gewöhnen, dass die Lahn immer nur in eine Richtung fließt – landete der Autor schließlich in Bremen/Weser, wo er dreißig Jahre lang als Sonderschullehrer gearbeitet hat.

Heute sitzt er oft am Fluss (dort, wo die Weser einen großen Bogen macht) und lässt sich von ihm Geschichten erzählen, die er manchmal aufschreibt. So ist in 2013 das Manuskript „Im Schatten der Schwebefähre“ entstanden.

"Angst und Liebe, Suche und Sucht sind die Themen des vorliegenden Romans, der 1949 seinen Ausgang in dem kleinen Dorf Osten an der Oste nimmt. Als Sohn des Kriegsheimkehrers Hermann Wüst und seiner aus Schlesien geflohenen Frau Martha, die beide nach den schrecklichen Erlebnissen im Krieg und auf der Flucht an der Niederelbe die Rückkehr in ein menschliches Leben suchen, erblickt Johannes das Licht der Welt.....

Der Roman bewegt sich im Spannungsbogen zwischen dramatischem Einzelschicksal (Psychogramm von Johannes, dem Säufer) und gleichzeitiger Betrachtung einer zunehmend süchtigen Gesellschaft (Soziogramm der Immer-mehr-Menschen). Auch berücksichtigt er die angsteinflößende Wirkung der Sprache (Die Angst wohnt in den Adjektiven.) in einer Welt, in der nur höher, weiter und besser zählt.


"Blutsbrüder" von Ernst Haffner (1932 und nun 2015 im Aufbau-Verlag)

Anfang der 1930er Jahre lebten in Berlin und anderen deutschen Großstädten infolge der prekären wirtschaftlichen Verhältnisse tausende Jugendliche auf der Straße. Sie verdingten sich als Tagelöhner und Laufburschen, aber häufig führte ihr Weg sie auch in die Kriminalität oder Prostitution. Zuflucht und ein wenig Sicherheit und soziale Wärme fanden sie in selbstorganisierten Gruppen. Viele waren geflüchtet aus (meist kirchlichen) "Fürsorgehöllen". In stillgelegten Fabrikbaracken traf man sich, trank, tanzte und vergaß für einen Augenblick das Elend, das einen täglich umgab.  Poetisch und mit einem tieftraurigen Realismus folgt Ernst Haffner der Jugendbande „Blutsbrüder“, lässt den Leser teilhaben an ihrem oft grausamen Überlebenskampf und schildert den unbändigen Freiheitswillen der Jugendlichen.

Aufbau Taschenbuch    978-3-7466-3069-4

Der Autor arbeitete 1925-1933 als Journalist und Sozialarbeiter in Berlin. Sein 1932 erschienener Roman "Jugend auf der Landstraße Berlin" wurde von den Nazis verboten und öffentlich verbrannt. die Spur von Ernst Haffner verliert sich ab 1933.


Tagebuch einer Fürsorgerin (1925) - Nachdruck 1983


Der Ricklinger Fürsorgeprozess 1930 - Öffentliche Auseinandersetzung um Gewalt in kirchlichen Fürsorgeheimen in der Weimarer Zeit, vor den Nazis !

"Die Fürsorgeerziehung von 'auffälligen' Kindern und Jugendlichen ... befand sich seit den 1920er-Jahren in der Krise. Das 1928 publizierte Buch 'Jungen in Not' von Peter Martin Lampel skandalisierte sie: Der Autor hatte als Hospitant in der Erziehungsanstalt 'Struves Hof' bei Berlin Erlebnisberichte von Fürsorgezöglingen gesammelt und veröffentlicht. Auf diesem Buch beruhte das ab 1929 kontrovers diskutierte Theaterstück 'Revolte im Erziehungshaus'. Die Fürsorgeerziehung wurde zum Gegenstand mehrerer Prozesse, die eine große mediale Aufmerksamkeit fanden: 1930 standen das Landerziehungsheim der Stadt Berlin in Scheuen (heute: Celle) und die Erziehungsanstalt Rickling (zwischen Neumünster und Oldesloe) sowie 1932 die Erziehungsanstalt Waldhof-Templin (Brandenburg) im Mittelpunkt. Der nun von Sarah Banach rekonstruierte Ricklinger Fürsorgeprozess richtete sich – wie im Fall Waldhof-Templin – gegen Erzieher eines Heimes der Inneren Mission (heute Diakonisches Werk). Mit ihrer Studie liegt erstmals eine wissenschaftlich fundierte Darstellung zu einem der großen Fürsorgeprozesse der Weimarer Republik vor."

(Auszug aus: Kurt Schilde: Rezension zu: : Der Ricklinger Fürsorgeprozess 1930. Evangelische Heimerziehung auf dem Prüfstand. Opladen & Farmington Hills  2007 , in: H-Soz-Kult, 08.07.2008 <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-11489>.           Budrich Verlag 2007


Wolfgang Fritz Haug:  Das "Kapital" lesen – aber wie? Materialien zur Philosophie und Epistemologie der marxschen Kapitalismuskritik
Hamburg: Argument 2013 (Berliner Beiträge zur kritischen Theorie 16) ; 318 S. ; 19,50 € ;  ISBN 978-3-88619-355-4

 

Wer sich aufgrund des Titels eine unmittelbare Lesehilfe oder einen nahe am Text operierenden Kommentar zu Marx' „Kapital“ erhofft, liegt leider falsch – doch mit dieser Missverständlichkeit ist auch schon die allermeiste Kritik an dieser sehr guten Materialiensammlung beigelegt. Haug legt eine umfassende und wohlüberlegte Intervention in einige sehr spezialisierte und fortgeschrittene Debatten um die neuere Rezeption der Marx‘schen Philosophie vor. Der wichtigste Teil dieser Debatten kreist um die monetäre Werttheorie der sogenannten Neuen Marx-Lektüre. Dieser Theorieschule widmet sich Haug mit einer umfassenden Kritik. Ausführlich kommentiert wird auch die US-amerikanische Lesart des „Kapitals“ nach David Harvey und – natürlich – auch die von Louis Althusser vorgeschlagene komplette Neuausrichtung der Kapitalismuskritik anhand des Leitbegriffs der Mehrarbeit anstatt, wie noch bei Marx, der Theorie des Werts/Mehrwerts.

Der Autor entwickelt sehr schlüssige Gegenargumente und verteidigt eine klassischere Lesart des
„Kapitals“ auf zahlreichen Ebenen: sowohl philolophisch auf Basis eines beeindruckenden Detailwissens über die Entstehung von Marx' Hauptwerk als auch philosophisch in Form einer sehr detaillierten Auseinanderlegung von hegel-marxistischer Logik und Dialektik sowie historisch in Gestalt von Überlegungen zur tatsächlichen politischen Wirkung des „Kapitals“.
Letztere verdient besondere Erwähnung: Haug ist einer der wenigen Kommentatoren, die offen die Frage stellen, welche tatsächlichen institutionellen Alternativen zum Kapitalismus aus einer ernsthaften Lektüre des „Kapitals“ entwickelt werden können. Obwohl diese Fragen sehr komplex und speziell sind, schafft es Haug, auch mit der Thematik unvertraute Leser nicht komplett ratlos verzweifeln zu lassen. Doch der wichtigste Effekt ist: Das Buch macht Lust, das „Kapital“ selbst in die Hand zu nehmen.
(Florian Geisler, Rezension, Hamburg: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pwportal.de/rezension/36088-das-kapital-lesen--aber-wie_44190, veröffentlicht am 22.08.2013)   Hier ein Video eines Vortrages/Diskussion von Fritz und Frigga Haug in Bremen 2013.